Antiquitäten
Euphorischer Bietkampf bleibt ein Einzelfall

Top-Los der Antiquitäten-Auktion von Nagel wird ein fein gemalter „Turmbau zu  Babel“. Um dieses Bild aus dem 17. Jahrhundert wird heftig gerungen. Doch für viele andere Lose lassen sich die Sammler nicht aus der Reserve locken. Die Uhrenkollektion kann das Stuttgarter Auktionshaus zu etwa 75 Prozent zugeschlagen. Internationale Interessenten halten sich allerdings zurück.
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StuttgartDas Motiv ist so reizvoll wie selten und die Taxe war verlockend. Nur 15.000 Euro hatte das Auktionshaus Nagel für das vermutlich flämische Gemälde „Der Turmbau zu Babel“ aus dem 17. Jahrhundert angesetzt. Kein Wunder, dass sich bei der für den 8. Oktober 2014 anberaumten Auktion „Kunst & Antiquitäten“ 14 Sammler und Händler aus ganz Europa per Telefon zuschalten ließen. Erst bei 210.000 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld) konnte ein Händler aus dem Ausland einen Kollegen aus Frankreich ausstechen.

So viel Euphorie kam bei den etwa 800 aufgerufenen Losen nicht ein zweites Mal auf, wenngleich zwei weitere Gemälde beachtliche Steigerungen erfuhren. Für 12.000 Euro sicherte sich ein holländischer Händler gegen zahlreiche Konkurrenten aus dem eigenen Land das auf 2.500 Euro geschätzte Bildnis einer jungen Frau von Cornelis Janssens van Ceulen. Das äußerst fein gemalte Werk stammt aus dem 17. Jahrhundert. Viel Interesse aus Europa und den USA weckte auch das spätbarocke, apokalyptische Gemälde „Der Tod führt ein Heer von Dämonen an“. Die deutsche Arbeit mit einer Taxe von 3.500 Euro erwarb für 18.000 Euro ein Italiener.

Italienischer Handel wieder aktiver

In den meisten Fällen war das Kaufverhalten von kalkulierter Zurückhaltung geprägt. Die Investitionsbereitschaft sowohl des Handels als auch privater Sammler orientierte sich an den Taxen. Nach längerer Marktabstinenz registrierte Nagel wieder eine stärkere Beteiligung aus Italien. Das melancholische „Bildnis eines Mädchens in weißem Kleid“ des in Italien hoch bewerteten Fausto Zonaro ging für anvisierte 40.000 Euro (inkl. Aufgeld) wieder ins Land seiner Entstehung. Ebenso das brillante Paar barocker Flusslandschaften des Venezianers Guiseppe Zais. Zur Schätzung bei 35.000 Euro (inkl. Aufgeld) übernahm es der italienische Handel.

In Deutschland hingegen blieb Otto Dills fast feierlich frische „Auffahrt zum Maimarkt“ von 1949 für taxgerechte 20.000 Euro. Und für Carl Spitzwegs Gemälde „Gesellschaft vor einem Wirtshaus“, das während der Auktion mit einem Untergebot nur unter Vorbehalt zugeschlagen worden war, erwärmte sich noch während des Auktionstages ein privater Sammler. Er investierte die veranschlagten 25.000 im Nachverkauf.

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