Arme Sammler
Kunst muss nicht teuer sein

Wie kommen auch arme Kunstfreunde an gute Werke? Der norwegische Sammler Erling Kagge hat darüber ein ganzes Buch geschrieben. Sein wichtigster Rat: Einfach anfangen!

SydneyEinsteiger, die genug davon haben, mit Wanddekoration zu leben und sich stattdessen mit Kunst umgeben wollen, hören meist: Kaufe, was dir gefällt und lass dir Zeit mit der Entscheidung. Erling Kagge, ein norwegischer Anwalt, Bergsteiger, Verleger und Kunstsammler, hält diesen Rat für lausig. Wer kauft, was gefällt, werde damit vielleicht den Platz über dem Kaminsims schmücken. Wer sich dagegen etwas Anspruchsvolles leiste, habe am Ende mehr davon, weil er sich dauernd mit dem Werk auseinandersetzen müsse.

Kluge Leute seien „dem eigenen Geschmack immer etwas voraus“, findet Kagge. Wirklich gute Kuratoren wie beispielsweise Hans Ulrich Obrist wären ja auch immer auf der Jagd nach der nächsten Herausforderung. Und das mit dem „Zeit lassen“ führe bloß zu Frust, es sei besser, einfach mal einzusteigen.

Obsession Sammeln

Wie sich das am intelligentesten auch mit kleinen Budget bewerkstelligen lässt, steht in seinem Buch „The Poor Collector's Guide to Buying Great Art”. Sammeln ist in seinen Augen eine Obsession und wer sich darauf einlasse, müsse besessen sein von dem Wunsch, wirklich gute Objekte zusammen zu tragen. Ohne Information allerdings gehe das nicht – es gelte also, so viel Kunst zu sehen und so viel über sie zu lesen wie möglich. Und dann heiße es, loszugehen, und drei Werke zu erwerben. Die müsse der Besitzer dann ein paar Monate lang betrachten und sich fragen: Was ist mir ans Herz gewachsen? Was bewegt mich? So entwickelt sich der eigene Geschmack durchs Kaufen, schreibt Kagge.

Eher früher als später kaufen

Im übrigen sei es besser, Werke, die man wirklich besitzen will, eher früher als später zu erwerben. Er selber habe das als junger Mann bei dem Versuch gelernt, den norwegischen Künstler Jan Groth zu kaufen. Bei der ersten Ausstellung lagen die Preise über seinem Studenten-Budget – und er verzichtete. Ein paar Jahre später hatten sich Groths Preise verdoppelt, lagen aber erneut über Kagges inzwischen ebenfalls gewachsenem Budget. Wieder ein paar Jahre später passierte ihm das zum dritten Mal, und er kam sich „albern vor“.

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Langweilige Oligarchen-Sammlungen

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