Art Basel Miami Beach
„Ich denke, wir bleiben die führende Messe in Nord- und Südamerika“

Die Art Basel hat Noah Horowitz zum Direktor ihrer Messe in Miami Beach ernannt. Damit ist das Team um Marc Spiegler (Gesamtleitung) wieder drei Personen stark. Im Interview mit dem Handelsblatt sprechen Spiegler und Horowitz über den neuen Posten, die Strategie des Messekonzerns, den internationalen Wettbewerb und Transparenz im Kunstmarkt.
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BaselNoah Horowitz ist seit Juli als Director Amerikas für die Miami Beach-Ausgabe der Art Basel verantwortlich. Der 35-Jährige hat am renommierten Courtald Institute in London Kunstgeschichte studiert und 2007 bis 2010 an der Serpentine Gallery gearbeitet. Er war Gründungsdirektor der Online Kunstmesse VIP Art Fair, die im Januar 2011 ihre Premiere hatte und inzwischen eingegangen ist. Ende 2011 wurde er zum Direktor der seinerzeit im Niedergang befindlichen Armory Show berufen. Durch eine deutliche Verringerung der Teilnehmerzahl und Wiedergewinnung einiger abtrünniger Galerien war es ihm gelungen, die Position der Messe gegen die ebenfalls 2012 gegründete Frieze New York zu behaupten. Noah Horowitz ist Autor des Buches „The Art of the Deal“.

Nach dem Weggang von Sam Keller hat es Art Basel mit einem Triumvirat mit inhaltlichen Zuständigkeiten versucht. Dieser Pfad wurde nicht weiterverfolgt, als Spiegler zeitweilig alle drei Messen verantwortete. Spiegler, Adeline Ooi und jetzt Noah Horowitz sind jetzt jeweils Direktoren für Basel, Hong Kong und Miami Beach, mit Spiegler als Primus inter Pares. Ist das korrekt?

Marc Spiegler: Die Situation ist gleichzeitig komplizierter und einfacher als in der Frage dargestellt. In den vergangenen acht Jahren hat die Struktur der Art Basel mehrere Modelle durchlaufen. Grund dafür ist die Entwicklung zu einer wahrhaft globalen Organisation, die auf eine dreifache Größe angewachsen ist.

Indes bin ich seit 2012 der globale Direktor der Art Basel. Seit 2011 haben wir einen Direktor Asien. Ich war nur über einen kurzen Zeitraum von sechs Monaten direkt für die Messe in Hongkong verantwortlich, nach dem Rücktritt von Magnus Renfrew. Und jetzt haben wir eine ähnliche Position für die Messe in Miami Beach und die Amerikas (Nord-, Mittel- und Südamerika.) geschaffen. Das ändert nichts daran, wie die Art Basel geleitet wird. Als Direktor Amerikas wird Noah Horowitz dem Exekutiv-Komitee der Art Basel angehören, das aus dem Direktor Asien, dem Direktor für Geschäftsentwicklung sowie dem Direktor Ressourcen & Finanzen besteht, und ich führe sie weiterhin in meiner Rolle als globaler Direktor, nicht als "Primus inter Pares".

Worin besteht Horowitz' Aufgabe in Miami, die einen eigenen Direktor notwendig macht?

Spiegler: Die Position des Direktors Amerikas wurde geschaffen, um sowohl eine ganzjährige Unterstützung für die Aussteller der Miami Beach-Ausgabe der Art Basel zu gewährleisten, als auch, um die bereits starken Beziehungen zu den Sammlern Nord- und Südamerikas weiter auszubauen. Noah wird sich um die dynamischen Kunstmarktplätze in den Amerikas kümmern, Kontakte stärken und aufbauen. Ebenso wird er die Einbindung von Galerien, Sammlern, Künstlern und Institutionen aus den beiden amerikanischen Kontinenten mit den weltweiten Aktivitäten der Art Basel unterstützen.

Die USA sind weiterhin ein unglaublich wichtiger Markt für uns, und es gilt, eine große Fläche abzudecken, von der Ostküste bis zum Mittleren Westen sowie die Westküste und Kanada, aber auch die vielen verschiedenen Kunstszenen Südamerikas. Während die Art Basel heute eine weltweit agierende Organisation ist, schätzen wir nach wie vor enge und persönliche Beziehungen zu unseren Galerien, Sammlern und Partnern. Die Ernennung eines in der Region beheimateten Direktors demonstriert unser Engagement in Nord-, Mittel- und Südamerika.

Als die Art Basel Miami Beach lanciert wurde, gab es keinen ernsthaften Wettbewerber in Lateinamerika. Heute existieren starke regionale Märkte mit Messen wie SP Arte (Sao Paolo), Zona Maco (Mexiko Stadt), arteBA (Buenos Aires) und Artbo (Bogota), die auch internationale Galerien anziehen. Wie kann Miami Beach seinen Anspruch als Brückenkopf nach Lateinamerika aufrechterhalten?

Noah Horowitz: Es ist großartig, die Entwicklung regionaler Messen in ganz Lateinamerika mit anzusehen, weil das ein Indikator für die Stärke dieser vielen Kunstszenen ist. Starke und hochwertige Regionalmessen unterstützen das Ökosystem Kunst überall in diesen lokalen und regionalen Kunstszenen. Die Art Basel ist jedoch die einzige internationale Veranstaltung in dieser Hemisphäre, die die besten Galerien und Sammler aus der gesamten Region zusammenbringt - und die der ganzen Welt. Ich denke, dass wir die führende Messe der Amerikas bleiben werden, solange wir am Ball bleiben und qualitativ exzellente Veranstaltungen anbieten.

Spiegler: Ich gebe gerne ein historisches Beispiel: Mit der Gründung der Frieze London verzeichneten wir einen deutlichen Anstieg britischer Sammler bei unseren Veranstaltungen.

Hat sich der Fokus der Aufmerksamkeit verschoben oder herrscht ein gestiegenes Selbstbewusstsein in Lateinamerika?

Spiegler: Lateinamerika ist seit langer Zeit ein wichtiger Fokus der Art Basel, was sich in der Gründung der Messe in Miami Beach vor über 13 Jahren manifestiert hat. Für uns ist es eine Vertiefung unseres anhaltenden Interesses an Lateinamerika und es reflektiert das ansteigende Interesse von Sammlern aus aller Welt an Künstlern aus dieser Region.

Horowitz: Es gibt eine lange Sammeltradition in Lateinamerika, sowohl von lokalen/regionalen Künstlern als auch von internationaler moderner und zeitgenössischer Kunst. Für Top-Sammler waren die Art Basel in Miami Beach und in Basel immer wichtige Messen, um Galerien aus aller Welt zu treffen und ihre Sammlungen zu erweitern, und wir sehen definitiv ein steigendes Engagement aufstrebender Sammler aus Mexiko, aber ebenso aus Kolumbien, Argentinien und Peru.

Art Miami hat in den letzten Jahr ähnlich viele Galerien und Besucher angezogen wie Art Basel Miami Beach. Viele Satelliten haben sich um diese Messe gruppiert. Wie gehen Sie mit diesem Wettbewerb um?

Spiegler: Für uns sind Besucherzahlen kein Schlüsselfaktor bei der Beurteilung, ob eine Messe erfolgreich ist, sondern dass die wichtigen etablierten und Nachwuchssammler kommen. Eine andere für uns wichtige Zahl ist die Wiederbewerbungsquote. Letztes Jahr lag die für Miami Beach bei 100 Prozent. Das zeigt, dass die Messe für unsere Galerien funktioniert, sonst würden sie nicht wiederkommen wollen.

Horowitz: Ich sehe die Zunahme der Satellitenmessen als Bestätigung des Einflusses, den die Art Basel auf den Bedeutungswachstum der Künste und Kultur in Miami Beach und Südflorida hat. Der Kulturtourismus, den die Art Basel in die Stadt bringt und die Unterstützung der lokalen Kunstszene in Miami Beach und Südflorida hatten einen enormen Einfluss auf die örtliche Kunstszene. Auf Grund ihrer Reichweite und ihres Fokus sehen wir diese Satellitenmessen nicht als Konkurrenz zur Art Basel.

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Konkurrenz mit Frieze und Armory Show

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