Artissima
Die Messe als Ausstellungsmaschine

Italiens wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst verändert sich. Statt einen Querschnitt durch ihr Programm zu bieten, animiert Messechefin Sarah Cosulich Canarutto immer mehr Galeristen, sich mit einer überlegt gehängten Soloschau zu präsentieren. Auch die im letzten Jahr eingeführte Performance-Sektion ist wieder da.

TurinTurins Messe für zeitgenössische Kunst, die Artissima, präsentiert sich von Jahr zu Jahr mehr als Plattform von Werkschauen. Von der traditionellen Art und Weise, eine Messekoje mit einer Auswahl repräsentativer Werke aus dem Programm der Galerien zu bespielen, rücken die Galeristen zunehmend ab.

In diesem Jahr ist Italiens wichtigste Messe der Gegenwartskunst mit 207 Ausstellern vom 6. bis 8. November 2015 für das Publikum geöffnet. Seit 2013 wird die Artissima von der Triestiner Ausstellungsmacherin Sarah Cosulich Canarutto (Jahrgang 1974) geleitet. Sie macht aus ihrem Faible für das Ausstellungsmachen keinen Hehl. Unter ihrem Zepter bot die Artissima im vergangenen Jahr sogar erstmals der Performance-Kunst eine Bühne. 16 Galerien, die in der Hauptsektion der Messe ausstellten, wurden seinerzeit auserkoren, den neuen, sogenannten „Per4M“-Bereich zu bespielen. Mit Erfolg: Im Schnitt wohnten den Life-Vorstellungen 100 Personen bei; die Gesamtzahl der Besucher kletterte auf über 50 000.

Aktion mit Publikum

Der Erfolg vom letzten Jahr lieferte einen guten Grund, das Experiment zu wiederholen. In diesem Jahr werden allerdings nur zwölf Galerien zusätzlich zu ihrem Messeaufgebot einen Performance-Künstler vorstellen. Der Aufwand ist beachtlich und dürfte schwerlich von großen Einnahmen belohnt worden sein, sind doch die aus den Performances hervorgehenden Objekte oder Aufzeichnungen eher schwer verkäuflich.

Die Berliner Galerie PSM wird Christian Falsnaes vorstellen, der in diesem Jahr mit dem „Preis der Nationalgalerie“ Berlin ausgezeichnet wurde und zurzeit auch im Hamburger Bahnhof ausstellt. Die Arbeiten des dänischen Künstlers kreisen um die Themen Identität, Autorität und Unterwerfung. Dabei bezieht Falsnaes die zumeist unvorbereiteten Ausstellungsbesucher in partizipatorisch angelegte Situationen ein, die er auf Video dokumentiert und anschließend in einem Zusammenschnitt ausgewählter Sequenzen zeigt.

Akzent auf Kunst zwischen 1975 und 1985

Mit der performativen Kunst rückt die Messe den Akzent noch einmal mehr auf Einzelausstellungen, obwohl diese bereits das Bild der Sektionen „Back to the future“, für die in Vergessenheit geratenen Klassiker) und „Present Future“ (für viel versprechende Nachwuchskünstler) prägen. Diese Bereiche, die in diesem Jahr 25 und 20 (Present Future) Teilnehmer zählen, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die „Back to the future“-Sektion, die bisher den Zeitraum von den 1960er- bis 1980er-Jahren abdeckte, fokussiert diesmal das Jahrzehnt zwischen 1975 und 1985. Es ist laut Messeleitung eine Zeit des Übergangs, die durch das Ende der Konzeptkunst, eine Explosion der Malerei und eine Radikalisierung gesellschaftlicher und politischer Themen charakterisiert.

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Malerei mit Botschaft

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