Art Basel and UBS Global Art Market Report
Zahlenzauber im globalen Kaufrausch

Das Monopol des Tefaf Art Market Report ist gebrochen. 2017 trumpft auch die Art Basel mit einem eigenen Bericht zu den weltweiten makro-ökonomischen Trends im Kunstmarkt auf. Im globalen Kunstumsatz unterscheiden sich die beiden Reports.
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DüsseldorfDie Kunstmarkt-Ökonomin Clare McAndrew, Gründerin von Arts Economics, hat lange Jahre ein Monopol gehabt auf die Quersumme aller globalen Kunstverkäufe in den wichtigsten Sammelgebieten, einschließlich der zuletzt nachfrageschwächeren Alten Meister. Doch sie verließ 2016 ihren Auftraggeber The European Fine Art Foundation (Tefaf) und wechselte zur Art Basel. Die Maastrichter Messe ließ sich dann einen Marktüberblick von Rachel Pownall, Professorin an der Uni Maastricht, schreiben (s. Art’n’Drafts vom 10.3.2017).

Auf der Art Basel Hongkong (bis 25.3.2017) stellte Clare McAndrew „The Art Market 2017“ mit den neuesten makro-ökonomischen Trends vor. Entstanden ist das 287-Seiten-Werk im Auftrag der Art Basel und in Kooperation mit der Schweizer Bank UBS. Wer erwartet hatte, wegen der Ausrichtung der Art Basel auf Gegenwartskunst, würde McAndrew ihre Suchraster verengen, sieht sich positiv überrascht. In dem Kapitel über einzelne Sammelgebiete werden nach wie vor Alte Meister untersucht: solche aus Europa und solche aus China, wie etwa Ren Renfa oder Wu Zhen. Da stützen dann die alten Chinesen den schwächelnden Markt europäischer Alter Meister. Unberücksichtigt bleiben indes die angewandten Künste. Es verzerrt jedoch den Blick auf den Markt, wenn dieses wichtige Gebiet unter den Teppich gekehrt wird. Vorsicht ist also geboten beim Umgang mit dem Zahlenzauber aus dem globalisierten Kunstmarkt. Die Galerien für zeitgenössische Kunst jedoch werden im Interesse der Art Basel stärker durchleuchtet. Zur Sprache kommen das Verhältnis von Primärmarkt zu Sekundärmarkt, Profitabilität, Schulden, Messebeteiligungen und Ausstelllungen.

Fehlender Nachschub lässt Preise sinken

Die wichtigsten Erkenntnisse von McAndrew und ihrem Team im „Art Basel and UBS Global Art Market Report 2017“ sind:

• Globaler Kunstumsatz 2016 (geschätzt): 56,6 Milliarden Dollar, ein Minus von 11 Prozent seit 2015, wo noch 63,3 Milliarden Dollar zu Buche schlugen.
Der konkurrierende Tefaf Market Report von R. Pownall sah den globalen Kunstmarkt bei 45 Milliarden Dollar und um 1,7 Prozent gewachsen. Das zeigt wie relational die zugelieferten Zahlen sind. Gut fährt, wer sie als Annäherungen versteht und nicht mit ihnen operiert als seien sie vollständig überprüfbare Fakten.
• Die führenden Märkte sind - nach Wert - die USA (40%), UK (21%) und China (20%), die zusammen 81 Prozent aller Verkäufe tätigen.
• Die Auktionsumsätze gingen im Jahresvergleich um 26 Prozent zurück auf 22,1 Milliarden Dollar. Das Ausbleiben von Hochpreiswerken hatte zur Folge, dass der Ultra-High-End-Bereich einen Rückgang von 53 Prozent verzeichnet.
• China führt Sektor der Auktionen mit einem Marktanteil von 34 Prozent an.
• Transaktionen durch Händler und Galeristen stiegen leicht, um 3 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro an.
• Privatverkäufe durch Auktionshäuser wuchsen um 16 Prozent.
• Das beliebteste Sammelgebiet ist die Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Sie schlägt sich in 37 Prozent aller Verkäufe nieder und macht 52 Prozent des Fine Art Auction Market aus.

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Missverständnis der „Art Industries“

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