Biennale Venedig
Tanzen statt Malen

Ein Plädoyer für nationale Alleingänge – aber nur in der Kunst. Im deutschen Pavillon lässt Anne Imhof die Körper sprechen. Ihre Themen sind universell. Es geht um ein Bild unserer Gesellschaft, um Macht und Unterordnung.
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Venedig Die Zeit der Nationalismen sei vorbei, hatten wir geglaubt – bis zum Krim-Krieg, zu Orbans neuem Regime und Erdogans Staatsumbau. Jede Wahl in Europa lässt uns zittern, ob ein weiterer Exit aus der Europäischen Union droht. Allein in der zeitgenössischen Kunst machen wir bereitwillig eine Ausnahme und lassen uns auf über 50 Länderstatements ein. Mit Fug und Recht messen die Kulturjournalisten die von wechselnden Kuratoren arrangierten Großausstellungen im Arsenale und im Biennale-Pavillon mit den bisweilen recht pfiffigen, viel kleineren „National“-Ausstellungen im Parkgelände im Südosten der Serenissima.

Ob in den 29 Pavillons in den Giardini oder als Gastbeitrag in einem der 30 nur zur Biennale geöffneten Privat-Palazzi in der Lagunenstadt – immer geht es in diesem inoffiziellen Wettbewerb allein um Fragen der Ästhetik und der Relevanz.

Längst ist alles verbissen Nationalistische gewichen und ein sympathisches Alleinstellungsmerkmal unter mehr als 100 Biennalen weltweit geworden. Deutschland hatte 2015 mit Frankreich den Pavillon getauscht. Und sich von Nicht-Deutschen vertreten lassen, darunter der chinesische Dissident Ai Weiwei. Künstler sind eh Nomaden. Sie arbeiten dort, wo sie eine große Chance für ihr Werk sehen.

Alle paar Jahre gelingt den mutigsten der Länder-Kommissare eine Ausstellung, die dann in aller Munde ist. 2017 wird das die Performance „Faust“ von Anne Imhof im deutschen Pavillon sein. Mit Performern entwirft die 39-Jährige ein facettenreiches Bild der Gesellschaft von heute, das Bedrückendes keineswegs ausspart. Mit ihrer abstrahierten Gestensprache schafft Imhof Neues. So universell verständlich wie Imhofs Thema von Macht und Unterordnung, ist auch die Sprache der Körper: Die Künstlerin malt nicht mehr, sondern lässt Performer tanzen.

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