Frank Stella
Pop in barocker Üppigkeit

Der 80-jährige Amerikaner Frank Stella ist ein Meister der abstrakten Kunst. Seine neuesten Werke stellt die Düsseldorfer Galerie Strelow aus. Sie erobern sich luftig leicht den Raum wie einst die Künstler des Barock.
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DüsseldorfDer Künstler hält nichts vom Branding in der Kunst, auch wenn das Oeuvre wegen Frank Stellas deutlicher Handschrift durchaus wiedererkennbar ist. Der Personalstil aber ist weit entfernt von sturer Wiederholung des ewig Gleichen, nur weil es auf dem Kunstmarkt Erfolg verspricht. Der 80-Jährige New Yorker ist nach wie vor umtriebig und neugierig. Das zeigt die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Hans Strelow (bis 13. Mai 2017) auf das Schönste.

In seiner siebten Düsseldorf privilegierenden Ausstellung will der Künstler zeigen, wie er zu seinen Formen kommt. Schließlich war er schon 1971 mit von der Partie, als Hans Strelow seine Galerie eröffnete und fortan Amerikas Abstrakte in wichtige Museen und Privatsammlungen vermittelte. Zwei Werkgruppen bilden den Kern der gut gehängten Galerieausstellung mit dem sachlichen Titel „Works from Three Decades“.

Da sind die luftig leichten, fast fließenden „Paintings“ der K-Serie, die von der bewegten und bewegenden Musik Domenico Scarlattis inspiriert sind. Was der Künstler als Malerei verstanden wissen will, sind indes gattungstechnisch Skulpturen, die sich kühn in den Raum schrauben und winden, die den Betrachter zwingen, ihre drei Dimensionen aus möglichst vielen Blickwinkeln zu entdecken. Edelstahl-Lineamente anstarken Haken bilden den Rahmen für verschachtelte Formen aus Polymeren, die ein 3D-Drucker im Atelier hervorbringt und die Stella dann in der bekannten, lebhaft bunten Weise bemalt. Zu haben sind die heftig ausschwingenden Raumzeichen für Preise zwischen 275.000 und 525.000 Dollar.

Die Bildgenese dieser K-Werke aus den Jahren 2015/16 erläutern dann auch ältere Mischtechniken und Collagen. In der komplementärfarbigen, von Hand kolorierten Kombination aus Siebdruck, Holzschnitt und Relief-Farbradierung, „La Penne di Hu“ von 1985 begegnen dem Galerieflaneur die bekannten konischen Figuren sowie jugendstilartige Formen. Die großformatige Papierarbeit notiert ohne Mehrwertsteuer bei 32.000 Dollar. Den preislichen Höhepunkt der aufschlussreichen Schau markiert „Moksha (Singapore II)“ von 1995. Die mehr als 2 mal 3 Meter messende dicht gefügte Collage wechselt für netto 980.000 Dollar den Besitzer.

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