Auktion bei Christie's
Trödelmarkt bei den Royals

Von Diamanten bis zum Plastikschirm: Wenn das britische Königshaus sein Familiensilber verkauft, ist den Souvenirjägern offenbar kein Preis zu hoch. Die Auktion von Schmuck, Möbeln, Bildern und Schnickschnack aus dem Besitz von Prinzessin Margaret bei Christie's in London brachte 13,5 Mill. Pfund (fast 20 Mill. Euro).

HB LONDON. „So etwas hat es noch nicht gegeben. Der Markt selbst hat über den Wert der Güter aus Königsbesitz entschieden“, sagte Francois Curiel, Europa-Direktor bei Christie's beim Abschluss der zweitägigen Versteigerung. Die Stücke wurden von der Erben von Prinzessin Margaret eingeliefert, um mit dem Erlös einen Teil der in Großbritannien horrenden Erbschaftsteuer bezahlen zu können.

Die von Christie's als „historisch“ gewertete Versteigerung hat nach Einschätzung des Hauses gezeigt, dass Bieter aus aller Welt bereit sind, für Privates aus dem Königshaus ein Vielfaches des Schätzpreises hinzublättern. So gingen drei Plastikschirme für 2900 Euro weg. Egal ob mondän oder exklusiv, die Käufer waren bereit, für Erinnerungsstücke aus Königsbesitz ein Vielfaches des Schätzpreises hinzublättern.

Die fünf Verkaufsräume des Traditionshauses in der Londoner Innenstadt waren bis auf den letzten Platz besetzt, als etwa 1000 Bieter um die rund 800 Lose wetteiferten. Broschen, Perlenketten, Armreifen oder Zigarettendöschen wurden den Interessenten jeweils einzeln auf kleinen Samtkissen von extra angeheuerten jungen Models in schwarzen Anzügen zur Ansicht präsentiert.

Auch die schon zuvor etwa 1000 bei Christie's schriftlich eingereichten Gebote sowie auf allen Leitungen eingehende Telefongebote mussten von Curiel vor dem Hammerschlag berücksichtigt werden. Schon vor der Auktion habe er eine Menge Anrufe von Interessenten erhalten, die bereit gewesen seien, „jeden Preis zu zahlen“.

Laut Christie's kamen 58 Prozent der registrierten Käufer aus Großbritannien, 15 Prozent aus dem restlichen Europa, 16 Prozent aus den USA und Lateinamerika und zehn Prozent aus asiatischen Ländern. Die ungewöhnlich große internationale Beteiligung gilt Christie's als ein Zeichen der großen Beliebtheit der 2002 gestorbenen Prinzessin, der jüngeren Schwester der Queen.

Das Schmuckstück der Auktion, das Diamanten-Tiara vom Hofjuwelier Garrard, wurde für 1,3 Mill. Euro - fast fünf Mal so viel wie der Schätzpreis - einer Sammlerin aus China zugeschlagen. Vor der Versteigerung hatte Christie's wissen lassen, dass ein Museum - vorzugsweise ein britisches - als Käufer des königlichen Kopfschmucks am liebsten gesehen wäre.

Eine Fabergé-Uhr, die Margaret auf ihrem Nachttisch stehen hatte, erreichte den Rekordpreis von 1,75 Mill. Euro. Aber auch leere Lederkästchen, die einstmals zur Schmuckaufbewahrung dienten, fanden das Interesse der Souvenirjäger. So wechselte ein mit Margarets Initialen versehenes Lederetui von Garrard für 56 000 Euro den Besitzer.

„Es scheint, als würden die Leute für Schätze aus dem Königshaus jeden Preis zahlen“, sagte ein Beobachter. In den Medien wurde das Ereignis inzwischen als die „Auktion des Jahrhunderts“ gefeiert. Aber nicht jeder war mit der Entscheidung von Margarets Kindern glücklich, so viele Erbstücke und Geschenke zur Auktion zu freizugeben.

So soll sich Königin Elizabeth insbesondere besorgt darüber gezeigt haben, dass sich unter den Losen ein von dem italienischen Maler Pietro Annigoni (1910-1988) gefertigtes Porträt ihrer jüngeren Schwester befand. Das Bild zeigt den Kopf der Prinzessin Margaret auf dem Körper einer Striptease-Tänzerin, die dem Maler eigens für das Porträt Modell stand. Als eines der letzten Stücke ging das 1957 gemalte Bild für 992 000 Euro unter den Hammer. Das Gemälde, so verlautete, werde nicht wie viele andere Stücke ins Ausland wandern: Ob die Queen der Käufer war, wird zumindest vorläufig ein Geheimnis bleiben.

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