Ausstellungen von Jeff Koons
Wenn die Kunst den Betrachter umarmt

Zwei Werkschauen zeigen faszinierende Skulpturen und Gemälde von Jeff Koons. In Basel wird ein ganz anderes Ausstellungserlebnis geschaffen, in Frankfurt korrespondiert Altes mit Neuem. Zwei Rundgänge.
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Basel/Frankfurt„Kunst ist Schönheit, Freude, Dialog, Menschsein." Mit dieser knappen Formel umreißt Jeff Koons selbst sein Werk. Es wird derzeit nicht nur in Frankfurt am Main ausgestellt, sondern auch in der Fondation Beyeler in Basel-Riehen. Es gibt nur einige wenige Überschneidungen. Die Konzentration auf die Werkphasen „The New", „Banality" und „Celebration" in der Schweiz schafft ein ganz anderes Ausstellungserlebnis als in Deutschland.

Besonders gelungen ist der erste Raum zum Frühwerk „The New". Von 1980 bis 1987 stellt Koons verschiedene Typen von Staubsaugern in neonbeleuchtete Glasvitrinen. Der kühne Künstler kombiniert hier Ready mades mit Minimal Art und der autorlosen Konzeptkunst. Staubsauger sind für ihn anthropomorphe Wesen, deren Formen an Geschlechtsteile erinnern. Sie handeln laut Koons vom Lebensatem und vom Tod, denn sie stehen neu und unberührt für die Ewigkeit in Vitrinen.

Im Rückblick erkennt man, dass jüngere Künstler davon gelernt haben und ebenso Prada - was die Warenpräsentation von edlen Schuhen und Accessoires betrifft. Ohne Umleitung über den Verstand, sollen die „Celebrity"-Werke - etwa der „Tulpenstrauß", das oft fotografierte „Hängende Herz" und der ganz neue, leider viel zu eng platzierte „Schwan" - den Betrachter direkt ansprechen, „ihn umarmen", wie Koons sagt.

Denn die mit Zahnarztbesteck bearbeiteten Hochglanzoberflächen reflektieren stets auch den Betrachter „und bestätigen seine Existenz". Tonnenschwere Kunstwerke sehen dank der spiegelnden Oberflächen leicht wie Luftballons aus. Ans kindliche Gemüt appellieren die in Holz geschnitzten überlebensgroßen Bären-Skulpturen.

Feministinnen dürften eher Schwierigkeiten haben mit der hirnlosen Porzellanskulptur „Woman in Tub", deren Körper über dem Mund abrupt endet. Alle Skulpturen aber lehren den Besucher das Staunen vor dem Handwerk der Herrgottschnitzer in Bayern und Südtirol, der Porzellanhersteller in Italien und der Metallspezialisten von Arnold in Hessen und Thüringen.

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Raumgreifender Auftritt in Frankfurt

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