Ausstellungstipp (4)
Die goldene Kugel schwebt

Der Konzeptkünstler James Lee Byars veränderte die Welt durch kleine Eingriffe. Seine so puristischen wie poetischen Kunstwerke werden jetzt im Museum Schloss Benrath gezeigt. Die beeindruckende Ausstellung ist ein Beitrag zur Quadriennale in Düsseldorf, die noch bis zum 16. Januar läuft.
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DÜSSELDORF. Auf dem Schlossteich von Benrath glänzt eine Goldene Kugel, die auf dem Wasser zu schweben scheint. Wer hat sich das ausgedacht? Sie gehört zur Ausstellung "The Perfect Axis" von James Lee Byars, die die Stiftung Schloss und Park Benrath zur Quadriennale beisteuert.

Beziehung zu Beuys

James Lee Byars, geboren 1932 in Detroit und gestorben 1997 in Kairo, ist in Düsseldorf kein Unbekannter. Jürgen Harten ernannte ihn1986 anlässlich seiner Einzelausstellung in der Kunsthalle zum "Weltzeremonienmeister". Damals stand Byars "nahezu jeden Morgen um 11 Uhr an der Brüstung des Daches und rief eine Stunde lang: "Beuys-Platz" auf den Grabbeplatz hinunter", erinnert sich Hartens Mitarbeiterin Marie Luise Syring. Byars verehrte Joseph Beuys, (berühmt sind seine 151 Briefe an den Künstler) und als Erinnerung bleibt das Schwarz-Weiß-Foto der beiden von Benjamin Katz: Byars in schwarzem Samtwams, Zylinder auf dem Kopf, das Gesicht mit einem schwarzen Tuch vermummt. Beuys mit Filzhut lachend daneben. James Lee Byars spielte den Magier, der für Kunst und Philosophie imaginäre Tempel und Paläste erbaute.

Blick- und Raumachsen

Dass man ihm nun die Räume eines Schlosses aus dem späten 18. Jahrhundert anvertraute, wie jetzt in Schloss Benrath, ist eine perfekte Idee, ebenso die Verpflichtung des Philosophen und Byars-Freundes Heinrich Heil als Co-Kurator. In dem meisten Räumen zeigt er nur eine einzige Arbeit - genau auf den Achsenpunkten der kurfürstlichen Haupt- und Nebenräume. "Die Perfekte Achse" reicht von der "Goldenen Kugel" auf dem See über das Schloss-Vestibül mit der "Sleeping Beauty" (1990), einem polierten Marmorquader in Andeutung einer Liegefigur, bis zum Kuppelsaal mit der "Rosen-Kugel" im Zentrum. Wie gut alte Parkett- oder Marmorböden, wie kostbare Seiden-Tapisserien oder symbolträchtige Stuckdecken mit Byars' exzentrischer Kunst harmonieren, das ist das Besondere dieser Schau.

Schönheit und Vergänglichkeit

Diese Kugel wurde im September mit exakt 3.333 dunkelroten Rosen besteckt, jetzt, im Winter, sind sie verblüht und entsorgt. Byars Botschaft aber ist klar: Das Einzelschöne ist vergänglich, die Idee des Schönen aber unvergänglich. Der konzeptuelle Entwurf für die "Rosen-Kugel" gehört dem Museum in Valencia. Im "Gartensaal der Kurfürstin" liegt auf dem Parkettboden eine Kette aus 100 weißen, fein geschliffenen Marmorkugeln - aufgereiht wie eine kostbare Perlenkette. Auf der gegenüberliegenden Seite des Schlosses im "Schlafzimmer des Kurfürsten", entdeckt der Besucher ein Frühwerk von Byars, eine abstrakte, liegende Figur aus Holz, "Selbstporträt" (1959), schwarz bemalt und suggestiv wie ein Schatten. Auch Sprachspielen ist der Künstler nicht abgeneigt. (Gertrude) Stein, (Albert) Einstein, und (der Philosoph Ludwig) Wittgenstein gehören zu seinen Mentoren, denen er jeweils ein Steinobjekt widmet, vergoldet natürlich.

Marktpreis oder Freundschaftspreis?

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