Bestsellerautor Eschbach
Einmaliger Allerweltsschwabe

In der Öffentlichkeit macht Andreas Eschbach einen unscheinbaren Eindruck. Tatsächlich hat der Bestsellerautor andere Stärken als die Eigenwerbung vor Publikum. Kein deutscher Schriftsteller vermag Wirtschaft so spannend in Romane zu verpacken wie er. Eine Handelsblatt.Reportage.

PADERBORN / BREST. Die Fans erwarten einen Star, doch die Rolltreppe hinauf kommt ein mittelalter Mann wie Hunderte, wie Tausende. Ein Klon gar? „N’Abend“, sagt er scheu. Runde Bequemschuhe, der Stoffhose fehlt die Bügelfalte, dem zu engen Pullover alles Modische. Das Auge verwischt die Farben des Ensembles zu Grau-Schwarz. Als Bestsellerautor Andreas Eschbach in einer Paderborner Buchhandlung zur Lesung aus seinem neusten Buch erscheint, sieht er aus wie ein Stubenhocker.

Eschbach liest aus „Ausgebrannt“, seinem Thriller über das Ende des Ölzeitalters, der den Leser 749 Seiten lang durch Deutschland, Saudi-Arabien und Amerika jagt. Autoren lesen vor auf Lesereisen – so ist das eben. Nur mag Eschbachs Text nicht klingen, zu monoton trägt der leicht schwäbelnde Autor vor. Hier und da seufzt er leise. Eschbach, so scheint es, wäre viel lieber auf einem anderen Planeten als in Paderborn.

Tatsächlich hat Andreas Eschbach andere Stärken als die Eigenwerbung vor Publikum. In einem guten Jahrzehnt hat der 47-Jährige weit über eine Millionen Bücher verkauft. Damit ist er einer der erfolgreichsten deutschen Autoren – und das, obwohl der ehemalige Unternehmer seine Romane meist mit zwei Zutaten versieht, die in der Belletristik auskömmlichen Auflagen eher abträglich sind: Science-Fiction und Wirtschaft.

In „Ausgebrannt“ spielt er den Zusammenbruch der Weltwirtschaft nach dem Versiegen der Ölquellen durch; in „Eine Billion Dollar“, einem seiner größten Erfolge, kauft sich ein Pizzabote mit einer Erbschaft den größten Konzern der Welt zusammen. Auf der Frankfurter Buchmesse wird der Stand von Eschbachs Verlag Lübbe dank des Stars erneut zu den gefragtesten gehören.

Liest er nicht zu Werbezwecken landauf, landab vor, hat sich Eschbach dorthin zurückgezogen, wo andere urlauben: in die Bretagne – das Privileg eines Berufsstandes, der überall arbeiten kann. In der Nacht hat es gestürmt über Brest. Eschbach trägt eine Barbourjacke, hier und da ausgefranst. „Ich wollte immer am Meer leben, und über meinen französischen Verleger kam ich auf die Bretagne.“ Aber der Auslöser für sein Auswandern, erzählt Eschbach, war eher profan: „Uns wurde in Stuttgart 2003 die Wohnung gekündigt. Das Schicksal wollte sichergehen, dass wir uns aufraffen.“

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