Buch- und Handschriften-Auktionen
Geschichte und Geschichten zum Greifen

Die Auktionen von Hartung & Hartung sowie Zisska & Schauer in München sind ein Eldorado für die Liebhaber von historisch bedeutsamen Büchern und Handschriften. Etliche bemerkenswerte Preise können den Mangel an hochwertigem Nachschub aber nicht verdecken.
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MÜNCHEN. Bei der Auktion "Wertvolle Bücher" bei Hartung & Hartung vom 9.-11. November 2009 waren vor allem französische Stundenbücher, das sind Andachtsbücher für Laien, und eine Sammlung mit "Hundertdrucken" gefragt. In einer limitierten Edition von 100 brachte der Hyperionverlag ab 1910 bibliophil ausgestattete Vorzugsausgaben der deutschen Literatur heraus. Bei den "Hundertdrucken" setzte sich Schweizer Handel am Telefon gegen deutschen Handel durch und sicherte sich die zunächst in Einzellots aufgerufene Sammlung für 72 000 Euro (netto). Felix Hartung hatte ein so gutes Ergebnis für die mit 16 000 Euro taxierte Sammlung nicht erwartet und zeigte sich positiv überrascht über den Erlös der 39 Vorzugsausgaben, die u.a. die seltene erste Ausgabe von Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" enthielt.

Auf 40 000 Euro geschätzt war ein um 1420 entstandenes nordfranzösisches Stundenbuch. Seiner hervorragenden Qualität wegen bewilligte ein anderer Schweizer Händler 64 000 Euro. Der Spezialist sicherte sich auch das um 1480 entstandene Stundenbuch mit 13 Miniaturen, für das der Hammer bei 34 000 Euro fiel. Im Geographiesektor stach der seltene sechste und letzte Band des berühmten Städtebuchs von Georg Braun und Abraham Hogenberg in ausgezeichnetem Altkolorit hervor, das der englische Handel für 25 000 Euro übernahm (Schätzung 18 000).

Etwas Besonderes stellt die Sammlung Metzger dar, die in 275 Losen angeboten wurde. Der bayerische Sammler Hermann Metzger hat über 30 Jahre lang Schriften bayerischer Autoren der Aufklärung und Reaktion (ca. 1750 - 1830) zusammengetragen. Darunter befanden sich etwa auch Originalschriften des Illuminatenordens oder die seltene erste Ausgabe von Adam Weishaupts philosophischem Hauptwerk, "Ueber die Wahrheit und sittliche Vollkommenheit". Sie ging für 2 600 Euro weg. Meist handelt es sich um Oktavbändchen in Pappe und Halbleder, die auf Preise zwischen 30 und 2 600 Euro kamen. Geschichte und Geschichten zum Greifen waren von Sammlern und vom Handel gleichermaßen begehrt. Die Sammlung Metzger erzielte eine Verkaufsquote von rund 80 Prozent nach Wert. Insgesamt erzielte die Versteigerung "Manuskripte, wertvolle Bücher, Autographen, Graphik" ein normales Ergebnis mit rund 70 Prozent Verkaufsquote nach Wert "für die momentanen Zeiten", so Auktionator Felix Hartung.

In der Auktion "Handschriften, Autographen, Seltene Bücher, Stadtansichten, Landkarten, Dekorative Graphik" von Zisska & Schauer vom 11. -13. November engagierten sich zahlreiche ausländische Bieter, vor allem aus Frankreich und der Schweiz. Angesichts einer Verkaufsquote von 92 Prozent nach Wert spricht Auktionator Herbert Schauer von einem "blendenden Abverkauf". Doch der Gesamtumsatz ist weniger hoch, da fünfstellige Verkaufszahlen nur vereinzelt auftraten. Der Höchstzuschlag der Auktion galt einer Bibliothek englischsprachiger Literatur mit rund 1300 prachtvoll gebundenen Bänden aus der Sammlung des im Sommer verstorbenen Münchner Antiquars Karl H. Pressler, dessen Spezialgebiet englische Literatur war. Nach langem Bietgefecht ging sie für 27 000 Euro (netto) an einen deutschen Käufer. Ihre Taxe von 2 000 Euro war ein Lockangebot.

Von 500 Euro Taxe auf 22 000 Euro hoben zwei Bieter eine wohl in Frankreich Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene griechische Handschrift mit kommentierten Auszügen aus Werken von Pindar und Sophokles. Der Pariser Händler, an den das Werk ging, glaubt den Schreiber identifiziert zu haben. Die sehr frühe und daher seltene "Postilla" von Matthias von Liegnitz aus der Entstehungszeit des Werkes ca. 1399 - 1404 erzielte 16.000 Euro (3 000) zugunsten eines deutschen Sammlers. Die einzige, Originalentwürfe von Meistern der französischen Buchillustration enthaltende Ausgabe von Jean de la Fontaines "Oeuvres complètes" erwarb der Schweizer Handel für 17 000 Euro (5 000). Abermals konnte Zisska eine Daguerreotypie von Arthur Schopenhauer versteigern. Auch dieses Mal sicherte sich französischer Handel ein Fotoporträt des Philosophen vom 17. August 1852. Die auf 3 000 Euro geschätzte Aufnahme galt als verloren und kam auf 11 000 Euro.


www.hartung-hartung.com

www.zisska.de

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