Buchpreisbindung
Kampf dem Ramsch

Die vor fünf Jahren in Deutschland beschlossene Fortschreibung der Buchpreisbindung ist in Gefahr. Dieses Mal sind es aber nicht Politiker, die an dem gesetzlich geschützten Privileg rütteln, sondern Buchhändler und die Verlage selbst. Der größte Feind der stagnierenden Branche sind Billigläden sowie das Internet.

MÜNCHEN/FRANKFURT. „Die Preisbindung wird nicht von außen, sondern durch die Marktteilnehmer selbst bedroht. Es gibt ständig Versuche, die Preisbindung zu umgehen“, sagte der Rechtsanwalt Dieter Wallenfels dem Fachblatt „Buchmarkt“. Der Jurist kümmert sich seit 42 Jahren im Auftrag der Verlage um die Preisbindung.

Dass immer mehr Bücher verramscht werden, liegt am Boom des modernen Antiquariats in Billigläden und dem Internet „Die Mängelexemplare sind ein großes Problem“, sagt Wallenfels. Denn laut Gesetz dürfen mangelhafte Bücher günstiger angeboten werden als zum festgesetzten Preis. Weil sich zahlreiche Titel zum ursprünglichen Betrag aber nicht absetzen lassen, greifen Verlage und Händler regelmäßig zum Mittel der Mängelexemplare oder der Restauflagen, für die die Preisbindung aufgehoben wurde.

Zudem sorgt die aggressive Vertriebsstrategie des Buchclubs vom Medienkonzern Bertelsmann für Aufregung in der Branche. Um die Käufer anzulocken, setzt der ins Trudeln geratene Buchclub stark auf verbilligte Sonderausgaben von Bestsellern. Zuletzt gab es deshalb auch rechtliche Auseinandersetzungen zwischen dem Konzern und dem Branchenverband Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Vor allem kleinere Verlage und Händler fürchten, dass sich Deutschland damit auf einen ähnlichen Weg wie die Schweiz begibt. Denn vor vier Monaten fiel dort die Buchpreisbindung. Seitdem sinken die Preise. „In der Schweiz hat nach dem Wegfall der Preisbindung erwartungsgemäß ein großer Preiskrieg eingesetzt“, sagt eine Sprecherin des Buchkonzerns Random House. Inzwischen ist der Preis für einige Bestsellertitel um bis zu 30 Prozent gesunken.

In der Eidgenossenschaft haben die Buchhandlungen nach dem von der Regierung verordneten Ende der Preisbindung völlig freie Hand. Als Erste reagierten die großen Ketten. Die Schweizer Tochter des deutschen Branchenführers Weltbild preschte vor. „Preisbindung aufgehoben! 30 Prozent auf Top-Bestseller“, warb das Medienunternehmen zum Auftakt.

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