Buchrezension
Hoeneß – der zockende Moralist

Warmherziger Wohltäter, predigender Moralist und zockender Steuersünder: Uli Hoeneß hat viele Gesichter. Christoph Bausenwein geht in seinem Buch „Das Prinzip Uli Hoeneß“ hart mit dem Fußballmanager ins Gericht.
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DüsseldorfEinst sagte Uli Hoeneß: „Das Schöne an meiner Person ist ja, dass über mein Privatleben kein Mensch Bescheid weiß.“ Das hat sich seit Bekanntgabe seiner Steueraffäre im April 2013 –  die er unfreiwillig preisgeben musste – geändert.

Einer hat den Prozess um den Präsidenten des FC Bayern ganz genau beobachtet: Christoph Bausenwein. Der renommierte Buchautor veröffentlichte jetzt eine Neuauflage des Buches „Das Prinzip Uli Hoeneß – ein Leben in Widersprüchen“. In 480 knackig geschriebenen Seiten sucht Bausenwein des Rätsels Lösung: Wer ist Uli Hoeneß?

„Ich hatte das Buch schon 2009 veröffentlicht“, sagt Bausenwein, der bereits damals eine leise Vorahnung hatte. „Es gab Anzeichen, dass er noch eine andere Seite hat.“ Nämlich die des begeisterten Zockers. „Darüber hätte man aber damals nur spekulieren können. Und dass es so ein extremer Fall ist, damit habe auch ich nicht gerechnet“, so Bausenwein.

Dafür holt der Autor in seinem Buch weit aus: Vom Metzgers-Sohn, über den streitbaren Macher und warmherzigen Moralisten, den blühenden Zocker, bis hin zum gewitzten Vermarkter und emotionalen Fan. „Hoeneß ist ein Mann mit vielen Gesichtern“, schreibt Bausenwein.

„Offensichtlich übernehmen bei ihm unterschiedliche Persönlichkeiten abwechselnd die Kontrolle über sein Verhalten.“ Vor allem im zweiten Leben habe sich der ehemalige Manager so richtig auf der virtuellen Spielwiese austoben können.

„Er hat das abgekoppelt. Jemand, der sich gehen lässt und in eine andere Welt zurückzieht“, erklärt der Autor. Eine unbekannte Fassade, die viele Leute erschreckt hat und den Schleier lüftete. Denn das Buch zeigt deutlich, wie sehr das Treiben des Uli Hoeneß von Gegensetzen geprägt war. So schreibt Bausenwein, dass der Steuersünder eines immer war: Der Levitenleser, der Prediger, der Moralist.

Bausenwein schreibt: „Nie vergessen hat er, als Ankläger gegen Betrug, Korruption, Unfairness und Ausbeutung, als Bejammerer eines allgemeinen Wertverlusts in der Gesellschaft sowie als Bewahrer der richtigen und wahren Werte aufzutreten.“ Beispiele gibt es genügend.

Im Zuge der Daum-Affäre kritisierte Hoeneß, es käme bei den Journalisten nicht mehr darauf an, was richtig und was falsch ist. Nur noch die Verpackung zähle. Über die Sendung „Big Brother“ schimpfte der damalige Manager ebenfalls. Er kritisierte, die Leute würden sich für Geld verkaufen.

Kommentare zu " Buchrezension: Hoeneß – der zockende Moralist"

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  • Wenn Hoeneß seine paar Wochen Knast abgesessen hat, dann sollte er eine Karriere in der katholischen Kirche anstreben.
    Bei seinem falschen, scheinheiligen und geldgierigem Charakter wird er bald Papst sein.

  • Das Urteil war eine einzige Schande für die deutsche Justiz.

    Wie man bei der extrem hohen Summe, die ja noch weiter steigt, einen normalen Fall von Betrug ausurteilen kann, das versteht kein Mensch.

    Bei einem schweren Fall wäre das Strafmaß doppelt so hoch gewesen!

    Vergleichsweise hat ein Juwelier in Frankfurt vor einem dortigen Gericht wegen läppischer 3 Millionen Betrugssumme gleich 9 volle Jahre Knast bekommen.

    Hoffentlich geht das Finanzamt sorgfältiger vor.

    Ein Steuerbescheid ist ja noch nicht festgesetzt, da sind dann locker - mit allen Zinsen, Zinseszinsen, Strafzinsen und der Frage, ob die 70 Millionen Gewinn die das Gericht ohne Belege als steuerfrei anerkannte - rund 50 - 100 Millionen € drin.

    Innerhalb 4 Wochen in voller Höhe zu bezahlen.

    Da könnte auch dem Wurstmaxl die Privatinsolvenz drohen.

    Zahlt er jedoch nicht sofort und voll seine Schulden, wird es auch mit Haftverkürzung und -verschonung nix.

    Es sei ihm herzlich gegönnt.

    ...und in Kölle sitzt Christopf D. und lacht sich schlapp - nein - nicht öffentlic - der macht das im stillen Kämmerchen bei ein paar guten Kölsch und vielleicht ein wenig Koks.

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