Bücher
Höhenflug für Luxusfolianten mit Vögeln

Sotheby’s etabliert mit 7,3 Millionen Pfund für John Audubons „Birds of America“ von 1827 bid 1838 eine neue Preismarke für Bücher. Der Luxusfoliant mit 435 meist lebensgroßen, handkolorierten Radierungen des berühmten amerikanischen Vogelwerks übertraf den bisherigen Rekord deutlich.
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LONDON. Sammler und Händler kostbarer Bücher sind in der Regel besonnene Leute, die sich nicht so schnell hinreißen lassen. Das galt auch bei dem Rekordpreis von 7,3 Millionen Pfund (8,7 Millionen Euro) für die vier fast einen Meter großen Bände der „doppelten Elefanten-Folio Ausgabe“ von Audubons „Birds of America“.

„Dieses Werk ist unbezahlbar“, so der siegreiche Bieter, der Londoner Altmeisterhändler Michael Tollemache, der sich hier einmal in den Antiquariatshandel vorwagte. Würde man die 435 meist lebensgroßen, handkolorierten Radierungen des berühmten amerikanischen Vogelwerks einzeln verkaufen, wäre der Wert viel höher, als das, was er für die gebundene Ausgabe bezahlte, so Tollemache über seinen Kauf. „Aber, um Gottes Willen, natürlich würde ich das nie tun.“

John James Audubon legte das Werk 1827 bis 1838 als Subskription in einer Vorzugsausgabe von 200 Exemplaren auf, ein gewagtes verlegerisches Unternehmen. Heute sind die Luxusfolianten gesuchter denn je; die wenigen, die auf dem Markt erscheinen, werden stetig teurer.

2000 wurde eine Ausgabe in New York für 8,8 Millionen Dollar verkauft, die Jahrzehnte verschollen war – ein Rekord für ein gedrucktes Buch, der erst jetzt durch den Hesketh-Audubon mit umgerechnet 11,5 Millionen Dollar übertroffen wurde. Die Hesketh-Familie hatte die jetzt versteigerten Bände 1952 für 7 000 Pfund erworben. Eine andere Ausgabe wurde 2003 bei Christie’s für 3,2 Millionen Pfund verkauft.

Insgesamt brachten die Bücher und Handschriften des englischen Lords 15 Millionen Pfund und waren zu 99 Prozent nach Wert und 90 Prozent nach Losen verkauft. Ein Shakespeare-„First Folio“, ein anderes Spitzenstück der Bibliophilie, ging für 1,5 Millionen Pfund an den US-Sammler Stephan Loewentheil.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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