Canaletto
Teure Ansichten der Lagunenstadt

Zwei bedeutende Venedig-Ansichten von Canaletto kommen jetzt unter dem Hammer. Die seltenen Meisterwerke, die Sotheby's am 19. Oktober in Mailand versteigert, stammen aus einer Privatsammlung. Noch hat der Staat kein Vorkaufsrecht angemeldet. Ins Ausland, so viel ist sicher, werden sie dank der "Notifica", des Ausfuhrverbots kultureller Güter von nationalem Interesse, nicht wandern.
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ROM. Sotheby's zieht eine weitere Sammlungsauflösung nach Luigi Koelliker (2008), Gianni Versace und Giorgio Soavi (2009) an Land. Ein Mailänder Privatsammler, der seine Anonymität gewahrt wissen will, beauftragt das Haus mit der Versteigerung seiner Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahren aufgebauten Sammlung. Sie enthält bedeutende Altmeister-Gemälde sowie orientalische Kunst- und antike Jadeobjekte. Die vorsichtige Gesamtschätzung aller 220 Objekte liegt bei 8 Mio. Euro.

Venedigs schönste Seiten

Die Hauptattraktion bilden venezianische Stadtansichten des 18. Jahrhunderts. Das Toplos von Antonio Canal, genannt Canaletto, geht mit einem Schätzwert von 3 bis 4 Mio. Euro an den Start: nicht etwa in London, sondern in Mailand. Dieser Schätzpreis sprengt den Rahmen, in dem sonst Alte Meister in Italien aufgerufen werden, glatt um das Zahnfache.

Brillante Herkunftsgeschichte

Das Toplos heißt "La Veduta di Santa Croce verso gli Scalzi/Der Stadtteil Santa Croce mit der Kirche der Unbeschuhten". Die Ansicht gehörte zur so genannten Harvey-Serie. Der Maler schuf diese Werke dank der Vermittlung des englischen Konsuls in Venedig, John Smith, für Charles Spencer, den Dritten Herzog von Malborough-Langley Park- Buckinghamshire. Eine Zeichnung der Ansicht befindet sich heute in der Royal Library von Windsor. Ein derartiges Bild von Venedig zu malen, wäre heute nicht einmal mehr dem Genie Canaletto möglich, derweil sich dort, wo er damals detailgenau die beiden Glockentürmchen von Santa Lucia verewigte, heute der gleichnamige moderne Bahnhof von Venedig erhebt. Von 1938 bis 1957 hing das wertvolle Gemälde als langfristige Leihgabe im Museum von Birmingham. Als die Harvey Treuhänder 1957 die Harvey-Serie verkauften, griff der Mailänder Sammler zu und sicherte sich auch die Ansicht des "Campo San Geremia" von Canaletto, von der es im Gegensatz zu den meisten Veduten des Meisters keine andere Version gibt. Sie zeigt auch nicht das beliebte Glitzern der Wellen im milchigen Lagunenlicht, sondern den Platz des Heiligen Jeremias mit der gleichnamigen Kirche, in ihrer damals noch ursprünglichen, mittelalterlichen Form. Der Schätzwert des zweiten Harvey-Gemäldes beträgt 1,5 bis 2 Mio. Euro.

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