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Chaos im Weltall - Wuttke inszeniert Klassiker „Solaris“

Im Weltall herrscht Chaos. Auf der Raumstation Solaris streiten die Wissenschaftler. Eine eigentlich tote Frau kommt zu Gast. Der Schauspieler und Regisseur Martin Wuttke hat Science-Fiction-Klassiker „Solaris“ (1961) des polnischen Autors Stanislaw Lem bearbeitet.

dpa NEUHARDENBERG. Im Weltall herrscht Chaos. Auf der Raumstation Solaris streiten die Wissenschaftler. Eine eigentlich tote Frau kommt zu Gast. Der Schauspieler und Regisseur Martin Wuttke hat Science-Fiction-Klassiker „Solaris“ (1961) des polnischen Autors Stanislaw Lem bearbeitet.

Am Donnerstagabend hatte die Inszenierung auf dem Flugplatz im brandenburgischen n Neuhardenberg Premiere. Für die Produktion der Stiftung Schloss Neuhardenberg wählte Wuttke erneut den einstigen Militärflugplatz als Bühne. Das Publikum spendete nach der zweistündigen Aufführung freundlichem Applaus.

Im großen Hangar haben die Bühnenbildner Nina von Mechow und Marc Bausback kleine Gewächshäuser aufgebaut. Darin leben die Gelehrten wie auf der Erde, mit bunten Sofadecken, blauen Gardinen und Grünpflanzen. Forschen scheint unmöglich. Kameras holen das Innenleben nach draußen. Nichts bleibt den im Hangar sitzenden Zuschauern verborgen, ob diskutiert, gegessen, geduscht oder sich umgezogen wird. Entzieht sich ein Darsteller dem Auge der Kamera, taucht er direkt in der großen Flugzeughalle auf.

Für seine Inszenierung hat sich Wuttke ein internationales Ensemble zusammengestellt: Die Pariser Schauspielerin Jeanne Balibar, die aus „Tatort“- und „Polizeiruf“-Filmen bekannte Darstellerin Inga Busch, Volker Spengler, den belgische Astrophysiker Christophe Kotanyi, Fedja van Huet und Jörg Pohl. „"Solaris" ist ein kleiner Totentanz vor dem Hintergrund einer mehr als bedrohlich erscheinenden Vergangenheit“, sagt Wuttke.

Er habe nach einem langen leeren Strand gesucht, einer Serie von möglichst fantastischen Abenteuern. „Utopia liegt nicht nur in der Zukunft, sondern auch an einem entfernten Ort.“ Den habe er mit dem Flugplatz, wo der DDR-Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn eine Kosmonautenschule hatte, gefunden. Das Rollfeld wird Spielfeld. Dorthin verlegt der Regisseur eine Party, die gleich dreifach auf den Leinwänden erscheint. Sie ist live zu sehen, als Übertragung mittels Wärmebildkamera und als Filmsequenz, aufnommen bei Sonnenschein.

Für die Forscher wird die Expedition zum Prüfstein. Das Treffen führt die Wissenschaftler in ihre eigene Innenwelt. Für den Zuschauer ist diese philosophische Reise über Wahrheit und Wahrnehmung, Reales und Abbild nicht immer spannend. „Wo es keine Menschen gibt, gibt es auch keine menschlich fassbaren Motive“, sagt ein Darsteller.

Wuttke findet Bilder für das nicht Fassbare. Der in blonder Perücke und Baströckchen daherkommende Spengler ist auf der Leinwand im Negativ zu sehen; eine dunkelhäutige Frau ist erkennbar. Das Problem sei die Auslagerung von Wahrheit in die Fantasie, sagt er später und träumt im All von einer Tiefsee-Expedition.

Aufführungen sind noch vom 27. bis 29. August sowie vom 2. bis 5. September geplant. Von Berlin verkehrt ein Bus-Shuttle.

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