Christie's Bilanz 2015
Ende der Expansion

Christie’s legt die Jahresbilanz für das Jahr 2015 vor. Es ist die zweitbeste des Hauses. Doch auch hier geht der Umsatz zurück. Die Weltfinanzlage erfordert Anpassungen. Allerdings wecken die angekündigten Maßnahmen Zweifel an ihrer Durchschlagskraft.

LondonChristie’s, das im Gegensatz zum Rivalen Sotheby’s nicht börsennotiert ist, hat dennoch wie immer seine Jahresbilanz vorgelegt. Fast vier Wochen, bevor Sotheby’s Rechenschaft über das abgelaufene Jahr ablegt, gibt sich Christie’s gewohnt siegesgewiss. Das Auktionshaus soll demnach weiterhin in Spitzenposition liegen. Es verkaufte im letzten Jahr Objekte im Wert von 7,4 Milliarden Dollar. Obwohl sich das eindrucksvoll anhört, sank der Gesamtumsatz zum ersten Mal seit Jahren. Der zwölfprozentige Rückgang (5 Prozent in Pfund) macht das Ergebnis dennoch zum zweitbesten in der Firmengeschichte, die ja immerhin auf 1766 zurückreicht.

Rekordzuschläge stützen Moderneumsätze

Unter den zahlreichen Sparten-Weltauktionsrekorden ragen bei Christie’s im letzten Jahr zwei hervor. Picasso’s „Les femmes d’Alger” erzielte im Mai 179,4 Millionen Dollar und Modigliani’s „Nu couché” ging im November für 170,4 Millionen Dollar an das chinesische Sammlerehepaar Liu Yiqian und Wang Wei, die das Long Museum in China betreiben. So überrascht es nicht, dass Christie’s im Bereich der Impressionisten und Modernen Kunst einen Zuwachs von 57 Prozent verzeichnete und stolz die Marktführerrolle einnehmen kann.

Trotz der guten Zeit für diese Kategorie rechnet Erzrivale Sotheby’s allerdings schon mit einem Rückgang von 23 Prozent in den bevorstehenden Auktionen, die ab nächster Woche in London stattfinden. Ob diese Einschätzung nur die Vorreiterrolle Christie’s bestätigen wird, oder ob der Markt im Gesamten schrumpfen wird, wird sich in Kürze zeigen.

Stagnierende Märkte

So kann man vor allem festhalten, dass das Gesamtbild des letzten Jahres nicht rosig aussieht. Das Auktionshaus lobt sich, Kunden aus über 100 Ländern anzuziehen, aber Diversifizierung ist teuer. Der Asienmarkt stagniert nun bereits im zweiten Jahr. Asiatische Kunst stieg im Verlauf um zwei Prozent, Käufer aus dem asiatischen Raum nahmen um 15 Prozent zu. Das sind deutlich geringere Zuwachsraten als in den Vorjahren.

Auch bei den Zeitgenossen musste Christie’s einen Umsatzrückgang in Kauf nehmen. Die Verkäufe schrumpften um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Die Schwäche des Altmeistermarktes ist bekannt. 2015 brach hier der Markt um weitere 41 Prozent ein. Auch regional gibt es weitere Schrumpfungen. Christie’s EMERI-Kategorie (Europa, Mittlerer Osten, Russland und Indien) verzeichnete einen Käuferrückgang von 23 Prozent.

Schwächere Weltwirtschaft

Gründe nervös zu sein, hat also auch Christie’s. CEO Patricia Barbizet kann die Schwächung der Weltwirtschaft nicht hinwegreden. Sie spricht von den Herausforderungen der Weltfinanzlage und der guten Anpassungsfähigkeit des Hauses an die geänderte Marktsituation. Im Gegensatz zu Sotheby’s, das letzte Woche einen Finanzplan vorlegte, weiß man hier allerdings nicht, mit welchen Maßnahmen diese Marktanpassung erreicht werden soll.

Es scheint keine einheitliche Lösung für die sich anschleichende Krise zu geben. Während Sotheby’s verstärkt auf Privatverkäufe setzt, hat Christie’s in diesem Bereich 39 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnen müssen und wird sich wohl nicht auf diesen Bereich stützen können. Von Differenzierung ist die Rede – von unterschiedlichen Preiskategorien und Neukunden im digitalen Bereich, auch von selbst organisierten Ausstellungen und Auktionen. Eine Konferenz soll es in diesem Jahr auch geben. Ob mit diesen kleinteiligen Initiativen allerdings Wachstum erzielt werden kann, bleibt fragwürdig.

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