Clervaux
Bildhaftes Gedächtnis

Während sich Luxemburg als Kulturhauptstadt zelebriert, ist in Clervaux, tief in den Ardennen,eine einzigartige Fotoausstellung zu besichtigen. In der Burg der luxemburgischen Kleinstadt zeigen 503 Fotografien ihre Werke. Ausstellungstitel: „The Family of Man“.

CLERVAUX. Einem immerwährenden Marschtakt gleich flackert die defekte Neonlampe unablässig an und aus. Mal verdunkelt sie die Fotografien darüber, mal hellt sie die Bilder auf, wie im Takt des Gelächters, in dem links eine Gruppe Eingeborener in Borneo entrückt ist, rechts ein Rotweintrinker aus Frankreich, dessen breites Grinsen bis zu den Schnurrbartspitzen reicht.

Gut möglich, dass der seltsam passende Effekt der kaputten Birne in nächster Zeit dahin ist, die ansteckend fröhlichen Schwarzweißbilder werden bleiben. Sie sind zwei von 503 Fotografien, die auf zwei Etagen in der Burg der luxemburgischen Kleinstadt Clervaux (Letzeburgisch: Clerf) präsentiert werden. Ausstellungstitel: „The Family of Man“. Die Einheit von Ausstellung und Aufbewahrungsort wurde 2003 von der Unesco auf die Liste des schützenswerten Weltkulturerbes gesetzt, also ins „Gedächtnis der Menschheit“.

Dass die Ausstellung im letzeburgisch-französisch-flämisch-deutschen Sprachraum des Ardennerwalds einen englischen Titel hat, kommt nicht von ungefähr: Sie wurde ursprünglich für das New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) zusammengestellt, ging mit spektakulärem Erfolg um die ganze Welt und fand schließlich ein dauerhaftes Obdach in der Burg, die Anfang des 12. Jahrhunderts durch die „Herren von Clerf“ hier errichtet wurde.

Auch dass eine der bedeutendsten Fotoausstellungen der Welt ausgerechnet in einem entlegenen Ardennental landete, ist kein Zufall. MoMa-Ausstellungskurator Edward Steichen (1879 – 1973), der die „Family of Man“ 1955 zusammengestellt hatte, war gebürtiger Luxemburger und zeitlebens ein Fan seiner kleinflächigen Heimat. Hier im Norden sind’s gerade mal zehn Kilometer bis Belgien und zehn Kilometer bis zur deutschen Eifel.

Die kleine Kreis(„Kantons“)- hauptstadt Clervaux ist ein touristischer Anziehungspunkt im Ardennerwald. Vor den Hotels und Restaurants wird vorzugsweise Holländisch, Flämisch oder Französisch gesprochen. Man trinkt dazu das einheimische Diekirch-Bier oder einen Riesling von der Luxemburger Mosel. Dass sich die Einheimischen ständig mit „Moijen, moijen“ begrüßen, hat mit geistigen Getränken nichts zu tun, auch nicht mit ostfriesisch-ardenner Erbgut, sondern mit dem letzeburgischen Platt, in dem „moijen“ für „schön“ steht.

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