Design Miami/Basel
Auch für Design ist Basel die Topadresse

Die Design Miami/Basel blüht neben der Art Basel und entwickelt sich zur ernsthaften Konkurrenz der feinen Maastrichter Tefaf.
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Nirgendwo sind Design-Galerien besser aufgehoben als in der Nachbarschaft der zeitgenössischen Kunst, wo Enthusiasmus und Investitionsbereitschaft der Sammler sich in einem Dauerrausch überschlagen. So hat die Nähe zur großen Art die Design Miami/Basel, die 2006 zunächst als Bühne für die zwischen Design und Kunst oszillierenden Avantgarde-Objekte Furore machte, längst zur Top-Adresse auch für die klassische Moderne gemacht - neben, wenn nicht gar schon vor der feinen Tefaf in Maastricht.

Bestens gelaunt haben sich auch in diesem Jahr wieder 35 Stammgalerien eingefunden, dazu fünf neue Gäste. Überdies sorgen am Rand der Messe einige aufstrebende "Guerilla-Händler" mit experimentellen Einzelshows für die Stärkung des Avantgardeakzents.

Hier machen die drei Preisträger des "W Hotels Designers of the Future Award" sich und ihren Juroren alle Ehre: der Engländer Tom Foulsham mit feinen, Schattenbilder werfenden Drahtskulpturen, auf denen kleine Tiere balancieren; der Deutsche Markus Kayser mit "Lightzeit"-Kugellampen, die fast unmerklich Licht in Bewegung zeigen; und der Kanadier Philippe Malouin, in dessen "Daylight"-Objekten die Lamellen das Licht nicht ausblenden, sondern, umgekehrt, durch die geschlossene Wand hereinzulassen scheinen.

Für das spektakulärste Messe-Exponat sorgt einmal mehr die Pariser Galerie Patrick Seguin, die erneut ein ganzes Fertighaus präsentiert: Das "Metropole Aluminium House" entstand 1949 neben einem Schulbau aus dem Baukasten als Wohnhaus für einen Lehrer. Rund 15 Fertighausstrukturen des Ingenieurs-Architekten Jean Prouvé (1901-1984) hat Seguin im Angebot, zu Preisen bis sieben Millionen Euro; das Basler Exemplar soll etwa die Hälfte kosten.

Wer auf historische Einrichtung sinnt, hat die Wahl zwischen mindestens drei stattlichen Prouvé-Sideboards im niedrigen sechsstelligen Bereich (bei Seguin, Jousse, Downtown). François Laffanour (Galerie Downtown, Paris) kann zudem mit dem fast pittoresken Prototyp eines Stuhls von 1956 aufwarten (250 000 Euro) - als Experiment sollte der allerdings auf dem Sockel bleiben.

Laffanour gehört zu den Galeristen, die alles abdecken, was auf dem internationalen Design-Markt Rang und Namen hat. Neben den Modernisten Prouvé und Charlotte Perriand (ein Wandregal von 1958 für 320 000 Euro) huldigt er auch dem alten und neuen Salon-Liebling Jean Royère, der seit der Ausstellung im Museum des Arts Decoratifs 1989 im neuen Sammler-Einrichter-Olymp angekommen ist (ein Paar wulstiger Sessel aus den 50ern für 300 000 Euro).

Das Zeitgenössische pflegt er vor allem als Frankreich-Repräsentant von Ron Arad, der diesmal allerdings fast so weggedimmt scheint wie die Shootingstars der Jahrtausendwende Marc Newson, Zaha Hadid, Ross Lovegrove und so fort. Mit einem verknautschten Metallsessel-Unikat von 1996 für 180 000 Euro steht Arad bei Laffanour fast im Abseits.

Im Messe-Umfeld, in dem historisches Design vor allem als moderne Antiquität geschätzt wird, wartet Ulrich Fiedler aus Berlin mit einem strikt musealen Statement auf. Seine Highlights: ein Wandbehang der Bauhäuslerin Gunta Stölzl von 1923 - ein Rarissimum, denn Bauhaus-Textilien gibt es so gut wie nicht mehr (320 000 Euro) - und eine Kennersensation erst recht die gekurvten, multifunktionalen "korrealistischen Elemente" von Frederick Kiesler, dem in die USA emigrierten österreichischen Architekten, Bühnenbildner, Designer, Künstler, Künstlerfreund (zum Beispiel von Marcel Duchamp). 1942 hat er sie für Peggy Guggenheims Galerie entworfen - jedes Element alles in einem: Sockel, Tisch, Sitz. Heute eine Entdeckung für Kunstfreunde wie Kunsthistoriker (450 000 Euro).

Design Miami/Basel, bis 17.6.2012. www.designmiami.com


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