Die 14. Spezialmesse wartet mit einem breit gefächerten und qualitätvollen Angebot auf
Menzel ist der Superstar im Pariser Salon der Zeichnung

Adolph von Menzel ist auf dem 14. Salon du Dessin, der weltweit bedeutendsten Handzeichnungsmesse, der absolute Renner. Der Menzel-Trend kündigte sich bereits im Vorjahr an und wird in diesem Jahr bestätigt.

PARIS. Das zieht die Preise nach oben, wie man bereits auf der Tefaf in Maastricht konstatierte, wo Colnaghi-Bellinger (London-München) einen Menzel-Männerkopf für 120 000 Euro in die USA verkaufen konnte.

Jean-Luc Baroni (London) brachte zwei Menzel-Handzeichnungen nach Paris mit, wobei er für einen großen Frauenkopf, den Menzel mit sinnlich-traurigem Ausdruck 1892 zeichnete, 200 000 Euro erwartet. Obwohl ein Konkurrent darauf hinweist, dass das Blatt erst vor einigen Monaten für ein Viertel erworben wurde. W.M. Brady (New York) brachte (für 85 000 Euro) ebenfalls eine Menzel-Studie mit, auf der der Zeichner 1886 eine junge und ältere Frau auf das Papier bannte. Arnoldi-Livie (München) hat drei Menzel-Blätter im Preisbereich von 35 000 bis 42 000 Euro am Stand, Martin Moeller (Hamburg) sogar vier: von 28 000 bis 52 000 Euro.

Zur allgemeinen Freude konstatierten mehrere der insgesamt 30 Aussteller (davon 15 Ausländer) bei der Vernissage am 15. März, dass die aus aller Welt angereisten Sammler und Kuratoren auch kaufkräftig waren. Bei de Bayser (Paris) waren Charles de la Fosse, Antoine Coypel und Jean-Auguste-Dominique Ingres sofort verkauft. Colnaghi-Bellinger gab in den ersten Stunden einen „Lautenspieler“ von Girolamo da Triviso für 95 000 Euro ab. Patrick Derom (Brüssel) konnte sein geometrisches „Stillleben mit Kompottschüssel“ von Fernand Leger (1925) absetzen. Jean-Luc Baroni Ltd. zeigte nochmals sein im Pariser Handzeichnungskatalog abgebildetes, aber bereits in Maastricht verkauftes Rubens-Porträt auf Papier. Einen Afrikaner, der einen weißen Turban trägt.

Das Angebot an italienischen Handzeichnungen ist in diesem Jahr so gut und umfangreich wie das französische. Häufig vertreten ist G.F. Barbieri, genannt Il Guercino, sowie Giovanni Domenico Tiepolo, von dem Colnaghi-Bellinger die bestechende Rötelzeichnung, „Die Vorstellung Mariens“, für 135 000 Euro im Gepäck hat. Pandora (New York) verfügt über eine „Allegorie der Malerei“ von Salvator Rosa aus dem Jahre 1649, für die das italienisch-amerikanische Pandora-Team 72 000 Euro verlangt. Ein an einen Baumstamm lehnender Männerakt, „Achior“, von Baccio Bandinelli soll bei Pandora 115 000 Euro kosten. Guido Reni ist u.a. bei Arturo Cuéllar mit einem „Kopf des Heiligen Petrus“ für 88 000 Euro vertreten. Bob Haboldt (Paris) hält ein hervorragendes Sortiment an Flamen bereit, angeführt von einer Kohlezeichnung von Rembrandt, der einen jungen Mann mit langen Haaren skizzierte. Bob Haboldt erwartet 380 000 Euro für das Blatt. Zwei kleine Porträts des Deutschen Barthel Beham (1502-1540), ein „Mann mit Bart“ im Profil (12 000 Euro) und ein „Adeliger mit dem Orden des Goldenen Vlieses“ (18 000 Euro), sind erschwinglicher.

Eine Landschaftsstudie von Claude Gellé, genannt Le Lorrain, befindet sich bei C.G. Boerner (New York/Düsseldorf) für 190 000 Euro. Bei Hervé Aaron wartet eine Rötelzeichnung von Hubert Robert („Tempel der Sibylle in Tivoli“) für 45 000 Euro auf einen Interessenten. François Boucher findet man mit einer Kohlkopf-Studie für 50 000 Euro bei Thomas Le Claire (Hamburg) bzw. bei Day & Faber (London), die für ein „Porträt von Charlotta Sparre“ von 1740/41 mehr als 500 000 Euro erwarten.

Zu den teuersten Blättern der diesjährigen Handzeichnungsmesse zählt ein absolut hinreißendes Aquarell von Gustave Moreau, der „Andromède“ zirka 1882 malte. Patrick Derom setzt es mit 750 000 Euro an. Yvonne Tan Bunzl versuchte bereits im Jahre 2003, ein bestechendes, violettes Pastell-Porträt von Achill Laugé zu verkaufen, das vor zwei Jahren 26 000 Euro kosten sollte, in der Zwischenzeit jedoch auf 36 000 Euro angehoben wurde. Den aktuellen Ausstellungen folgend, bietet Agnew’s (London) gleich vier bedeutende Dante Gabriel Rossetti-Zeichnungen im Preisrahmen von 220 000 bis 740 000 Euro an.

Mehrere Pariser Museen, auch das aktuell eröffnete Zeichenkabinett im Musée d’Orsay und das Schloss Chantilly im Norden von Paris, das Teile seiner vom Duc d’Aumale zusammengestellten Zeichnungssammlung zeigt, nehmen den Salon zum Anlass, eine Woche lang Paris zur Welthauptstadt der Handzeichnung zu machen. Die Auktionshäuser schließen sich an und geben den Sammlern weitere Gelegenheit zum Einkaufen. (bis 21.3. in der Pariser Börse).

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