Die 2. Ruhrtriennale rückt die Romantik ins rechte Licht und zeigt eine Epoche voller Widersprüche
Theater unter Tage

Romantik im Pott. Nun, das ist nicht das Erste, was uns zum Ruhrgebiet einfällt. Doch die Künstler der Romantik und ihr Verhältnis zur beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert sind der gemeinsame Nenner der diesjährigen Ruhrtriennale unter dem neuen Intendanten Jürgen Flimm.

Viele der 25 Produktionen des Theaterfestivals, die in 118 Vorstellungen gezeigt werden, erhalten durch die Aufführung in Industrie-Denkmälern ihren Reiz . „Nächte unter Tage“ heißt es etwa, wenn in der Kokerei auf dem Essener Weltkultur-Erbe „Zeche Zollverein“ die Burgtheater-Regisseurin Andrea Breth zusammen mit dem Münchener Autor Albert Ostermaier und dem Künstler Christian Boltanski eine begehbare, theatralische Installation inszeniert. Sie soll eine Hommage an die Bergleute sein, die ihr Leben in der Dunkelheit verbracht haben.

Zum Theatergenuss unbedingt beachten: Nicht in Pumps und schicken Tretern, sondern in flachen Schuhen kommen, denn die alte Industrie-Anlage wird ins Kunsterlebnis integriert. In den früher zur Kohle-Beförderung vorgesehenen Loren einer Seilbahn werden die Theater-Besucher zum Ort des Geschehens gebracht. Was hier genreübergreifend in einer Mischung aus Kunstinstallation, Konzert und Lesung zu sehen sein wird, basiert auf der Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ von E.T.A. Hoffmann. Das Stück spiegelt, so Christian Boltanski, als unterirdische Welt der Schatten auch die Welt des Lebens über Tage.

Dagegen ist das Singspiel „Steine und Herzen“ eher eine Theateraufführung im herkömmlichen Sinn. Doch es wird durch die imposante Kulisse der Alpenwelt eingepasst in die riesige Gebläsehalle im Duisburger Landschaftspark Nord. Das Stück von Sven-Eric Bechtolf greift die Anfänge der Alpenfor-schung im 18. Jahrhundert auf. Hans Michael Rehberg und Ernst C. Sigrist spielen die Hauptrollen in dem Stück, das Forschungs- und Erkenntnisdrang der Kraft des Aberglaubens gegenüberstellt. Die Musik komponierten Andreas Schett und Markus Kaler von der Tiroler „Musicbanda Franui“, die, so Dramaturg Thomas Wördehoff, „Volksmusik im besten Sinne des Wortes" spielt.

Ein fast schon vergessenes Genre präsentieren Mnozil Brass und Bernd Jeschek. Sie schrieben für das Festival eine zweiaktige Operette mit dem Titel „Das trojanische Boot“. Daneben stehen Programmpunkte mit hochkarätigen Sängerinnen und Schauspielern: Patti Smith, Cecilia Bartoli, Armin Mueller-Stahl, Tobias Moretti und Barbara Sukova. Die Drehbuchautorin Elke Schuch hat nach Motiven von Hans Christian Andersen ein Theaterstück für Kinder geschrieben: „Das Märchen vom Schwamm“.

Am 11. und 18. September steht eine besondere Premiere in der Jahrhunderthalle Bochum auf dem Programm. „Die Tiefe des Raumes“ heißt das Fußball-Oratorium für Solisten, Orchester und Chor, komponiert von Moritz Eggert. Fan-Gesänge, Spieler-Karrieren und Trainer-Zitate, auch der berühmte Trappatoni-Monolog, spielen eine Rolle, ergänzt durch Trillerpfeifen-Fugen. Und spätestens hier geht es doch weg von der Romantik.

Ruhrtriennale: 20. August - 16. Oktober /Aufführungsorte: Bochum, Duisburg, Essen, Gladbeck

Infos und Karten:»www.ruhrtriennale.de

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