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Die Zeche zahlt der Kunde

Vier Konzerne dominieren den Energiemarkt in Deutschland. RWE, Eon, EnBW und Vattenfall Europe haben das Land unter sich aufgeteilt. Und trotz der Liberalisierung haben es neue Anbieter schwer, sich im lukrativen Strommarkt zu positionieren. Rüdiger Liedtke beschreibt das enge Geflecht zwischen Politik und Energiebranche.

DÜSSELDORF. Die alteingesessenen Konzerne finden immer wieder Möglichkeiten, sich vor der Konkurrenz zu schützen. Von echtem Wettbewerb seien wir noch Jahrzehnte entfernt, schreibt Rüdiger Liedtke in seinem Buch "Das Energiekartell". Die Gründe dafür findet Liedtke in der Vergangenheit.

Schon beim ersten von einer privaten Gesellschaft errichteten Elektrizitätswerk in Berlin schlossen Wirtschaft und Politik einen Pakt: Die Energiegesellschaft durfte die öffentlichen Wege für ihre Leitungen benutzen, die Stadt Berlin bekam im Gegenzug zehn Prozent der Bruttoeinnahmen. Damit wurde der Grundstein für die enge Verbindung zwischen Energieindustrie und Politik gelegt. Beide Seiten profitieren noch heute davon.

Auch die bereits 1898 als privates "Unternehmen für die Lichtversorgung der Stadt Essen" gegründete Rheinisch Elektrizitätswerk AG-Westfälische (RWE) suchte früh den Kontakt zur Politik. Denn gerade in den ersten Jahren wollte diese die Expansion von RWE noch stoppen.

Die beiden Haupteigentümer und Industriellen, Hugo Stinnes und August Thyssen, verwandelten RWE daher bereits 1905 in ein "gemischtwirtschaftliches" Unternehmen, in dem die Kommunen Sitze und Stimmen erhielten.

Dass Strom und Gas immer teurer werden, die Verbraucher unter der zusätzlichen Last stöhnen und die Politik scheinbar hilflos zuschaut, habe daher einen einfachen Grund, so Liedtke: Politik und Wirtschaft bilden im Energiebereich ein Geflecht, das in keinem anderen Wirtschaftsbereich enger geknüpft sei.

Anders sei es kaum zu erklären, dass Werner Müller, nachdem er 2002 seinen Posten als Bundeswirtschaftsminister abgeben musste, in die Energiewirtschaft wechselte. Liedtke überzeugt vor allem durch seine breit angelegte Analyse. So schafft er es nicht nur, Brücken aus der Historie in die Gegenwart zu bauen, sondern wagt auch den Blick in die Zukunft. Und hier droht den deutschen Konzernen dann doch Konkurrenz - von den mitunter weitaus größeren Energieriesen im Ausland.

Rüdiger Liedtke: Das Energie-Kartell; Eichborn, Frankfurt 2006, 218 Seiten, 19,90 Euro

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