Dorotheum
Ode an den Minimumpreis

Das Publikum im Wiener Auktionshaus Dorotheum hat die Lust am Kunstkauf wieder entdeckt, aber nicht um jeden Preis. Design, Klassische Moderne oder zeitgenössische Kunst gingen unter oder zu den unteren Schätzpreisen weg. Der Sonderkatalog mit russischem Kunsthandwerk war nur partiell ein Erfolg.
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WIEN. Mit der vierten Auktionswoche (22.-26.11.) neigt sich die Saison im Wiener Auktionshaus Dorotheum sukzessive dem Ende zu. Die eine oder andere Versteigerung steht noch auf dem Programm, wird aber nur unwesentlich zur Gesamtbilanz 2010 beitragen - für ein Geschäftsjahr, in dem das wählerische Publikum wieder die Lust am Kunstkauf entdeckte und in der Donaumetropole ein Rekordvermögen ließ. Diesmal waren es 9,5 Mio. Brutto-Umsatz. Doch der blieb unter der oberen Schätzwertsumme von 11,75 Mio. Euro.

Launisches Publikum

Knapp 1870 Positionen standen aktuell in sieben Spartensitzungen zur Wahl. Der Auftakt war Silber vorbehalten, wobei erstmals eine ausschließlich russischer Handwerkskunst gewidmete Sektion entsprechende internationale Vorlieben bedienen wollte. Das Publikum reagierte launisch, zupfte sich die besten Stücke aus dem Programm und ließ die verbleibenden 70 Prozent ins Warenlager abwandern. Die anderen 30 Prozent brachten die Kassen leicht über den angesetzten Taxen zum Klingeln, darunter ein Moskauer Deckelhumpen (Kaufpreis inkl. Aufgeld 46.660 / Taxe 30.000 Euro) oder ein Paar großer St. Petersburger Speiseglocken (44.220 / 30.000), die übers Telefon in China eine neue Heimat fanden.

Nur französisches Design läuft gut

Deutlich hinter den Erwartungen blieben anderntags die Design zugeordneten Objekte zurück: Für etwas mehr als die Hälfte fiel der Hammer und da nur in einigen ganz wenigen Fällen über den Vorgaben der Experten. Gerade mal das Limit, den vom Einlieferer festgelegten Minimumpreis, musste ein Brite für Diego Giacomettis 1966/67 ausgeführte "Bibliotheque au Mexique" berappen (110.100 / 140.000), ebenso ein anonymer Bieter, der nun Gimhongsoks 2009 in Korea produziertes Sitzobjekt "Crushed Love" sein Eigen nennen darf (49.100/55.000). Lediglich französisches Design fand etwas mehr Zustimmung, etwa Jean Prouvés großer "Compas"-Arbeitstisch (79.600 / 75.000) oder Entwürfe von Pierre Jeanneret, die mit deutlich günstigeren Taxen zu verführen verstanden (u.a. Chandigarh, 1955, Teak-Diwan 27.140 / 15.000).

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