Kultur + Kunstmarkt
Einmal Ally und zurück

„Ally McBeal“ machte Vonda Shepard zum Star. Ohne TV-Rolle tritt sie klarer auf – und gefühlvoller.

Sie sind wie ein Startschuss, diese ersten Gitarrenakkorde, die sich nach zwei Sekunden zu einer Melodie formen. Das Publikum, vorher oft andächtig lauschend, drängt vor die Bühne und tanzt ihn, den Ally-Tanz. Den von der Suche nach der Seele, den Fehlern, die man im Leben eben macht, und dem Licht, das man anzündet, um den Weg nach Hause zu finden.

Noch immer warten die meisten bei einem Konzert von Vonda Shepard auf „Searchin’ My Soul“, die Titelmelodie aus „Ally McBeal“, der Fernsehserie über die neurotischen Anwälte aus Boston. Doch Ally ist nur noch in Wiederholungen zu sehen, im Frühjahr gab es in Deutschland die letzte Folge. Ally ist weg – „Ich bin aber immer noch da“, sagt Vonda Shepard lachend. Gerade tourt sie wieder durch Deutschland. In den Geschäften steht „Chinatown“ – ein Album ohne den Aufkleber „Soundtrack der Erfolgsserie Ally McBeal“.

„Ally war ein Teil meines Lebens, das muss ich akzeptieren. Und die Serie macht viele Menschen glücklich“, sagt die Sängerin. Und immerhin verdankt sie der Serie auch ihren Durchbruch: TV-Produzent David E. Kelley brachte Shepard vor die Kamera. In der Stammbar von Ally und ihren Kollegen mimte die Kalifornierin das Hausorchester – und spielte sich in die Herzen der Zuschauer.

Ob die ihr die Treue halten, wenn sie nicht mehr jeden Dienstagabend Shepard und ihre Band auf Vox sehen? Die schauspielernde Sängerin hat ein Gegenmittel gegen die Allylosigkeit: „Wir wollen die Leute mit der Stärke unserer Live-Show bei der Stange halten. Deshalb touren wir so oft wie möglich.“

Und das könnte in der Tat helfen. Denn Vonda Shepard live ist kein durchgestyltes Entertainment à la Robbie Williams und keine Materialschlacht mit den neuesten Lichteffekten. Sie „sieht aus wie ein Maikäfer, spielt wie ein Krippenengel, singt wie ein Backfisch und tanzt wie ein Waschbär“, meint die „Neue Zürcher Zeitung“. Shepard besitzt, was den Produkten aus Casting-Shows fehlt: Ausstrahlung. Wenn sie eine Ansage beginnt, weiß sie oft selbst nicht, was am Ende herauskommt: „Dann bleibe ich hängen und fühle mich albern“ – eine willkommene Abwechslung in der Ära von „Deutschland sucht den Superstar“.



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