Empire-Sekretär
Angebliches Meisterwerk unter Fälschungsverdacht

Der Skeptizismus auf dem Kunstmarkt wächst. Zweifel an der Authentizität des Spitzenloses von Nagel veranlassten den Stuttgarter Versteigerer zu einem weiteren Gutachten. Details irritieren Kenner erheblich.
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MünchenAus dem spektakulären Wiener Empire-Sekretär, den das Auktionshaus Nagel am Mittwoch unter der Los-Nummer 331 aufrief, ist ein Problemfall geworden. Bis 150.000 Euro (ohne die beim Kauf fälligen 33 Prozent Aufgeld) wurde das auf 130.000 Euro taxierte Möbel beboten. Und doch ist es nur unter Vorbehalt zugeschlagen. Experten und Biedermeierhändler äußerten Zweifel an der Authentizität des Prunkmöbels mit opulenter Inneneinrichtung und Hersteller-Signatur. Nicht nur der perfekte Zustand irritierte. Schwerwiegendere Argumente sind die unterschiedlichen Furnierbilder zwischen den Schmuckelementen im Zylinderteil sowie die für die Zeit untypische „Klötzchen-Bauweise“ des halbkugelförmigen Unterteils.

Vom Pult des Auktionators war während der Versteigerung zu vernehmen, dass man aufgrund dieser Äußerungen ein zweites, technisches Gutachten erstellen wird. Die vorab publizierte Expertise des ehemaligen Direktors des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Hans Ottomeyer, die Nagel in seiner aktuellen Erklärung vor allem als kunsthistorisches Gutachten bezeichnet, zählt den Sekretär „zu den besten Stücken seiner Zeit“. Ottomeyer bescheinigte ihm darin zudem, „in allen seinen Teilen und in seiner Gesamterscheinung ein authentisches Werk um 1816/17“ zu sein.

Nagel hatte, wie das Handelsblatt erfuhr, vorab alle Interessenten von der ungewöhnlichen Vorgehensweise und der Sachlage in Kenntnis gesetzt. Gebote kamen aus der Schweiz und den USA. Das Höchstgebot lieferte ein deutscher Privatsammler. Er könne, so Rudolf Pressler von der Geschäftsführung des Versteigerers, auch nach Vorlage eines weiteren Gutachtens von seinem Kauf zurücktreten.

„Wir wollen damit unserer Sorgfaltspflicht Rechnung tragen“, heißt es im Hause Nagel. Hintergrund zu diesem Schritt dürften nicht zuletzt die imageschädigenden und juristisch folgenreichen Verwicklungen zahlreicher Auktionshäuser und Galerien in Zusammenhang mit der Beltracci-Betrugsaffäre sein. Die frühere Klausel „Gekauft wie gesehen“ ist schon lange kein Schutzschild mehr für den Versteigerer. Die Bandagen für die Haftung der Echtheit sind straffer geworden. „Unser Vorgehen ist für uns ein Akt der Transparenz.“, sagte Rudolf Pressler von der Nagel-Geschäftsführung. Er sieht der weiteren Begutachtung des Möbels gelassen entgegen. Er habe das Möbel in unrestauriertem Zustand gesehen. „Es gibt Ergänzungen wie üblicherweise an vielen historischen Möbeln, wie etwa Stellen am Furnier und an den Dekorteilen“, sagte Pressler. An der Echtheit, was den Korpus betrifft, habe er keine Zweifel.

Trotz der Aufregung um das umstrittene Möbel wurde das Angebot am ersten von zwei Auktionstagen gut angenommen. Von taxierten 22.000 Euro kletterte eine Florentiner Pietra-Dura-Kassette aus dem 17. Jahrhundert auf beachtliche 49.000 Euro (inkl. Aufgeld). Ein Satz von sechs Biedermeierstühlen mit beschnitzten, ovalen Medaillons in der Rückenlehne sicherte sich etwas über Taxe ein russischer Sammler für brutto 40.000 Euro. Insgesamt kamen bis Donnerstagabend etwa 740 Objekte zum Aufruf.

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  • Ihe Bemerkung über das,,gekauft wie besehen'' ist doch schlicht falsch.Die Sorgfaltspfliht des Kunstversteigerers und Kunstantiquars ist doch durch das sogen. Bodensee Urteil präzisiert.Mit dem Fall Beltracchi,auf den weltweit zahlreiche ,renomierte Experten und Museumskustoden hereingefallen sind,hat das auch herzlich wenig zu tun.Für die Katalogbeschreibungen stehen die Kunstauktionshäuser auch ein Jahr ein lt. Gesetz.

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