Eröffnungs-Pressekonferenz
Ganz viel Harmonie in der Elbphilharmonie

Rechtzeitig zur Eröffnung haben alle Beteiligten ihre persönliche Wohlfühl-Formel gefunden. Da gilt die Kostenexplosion plötzlich als Ausweis demokratischer Leistungsfähigkeit - und wird der Spielplan zur Nebensache.
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HamburgEs ist nicht die allerbeste Idee, in Hamburg eine große Feier im Januar anzusetzen – schon gar nicht an der zugigsten Ecke der Stadt. Doch noch länger mit der Eröffnung der Elbphilharmonie zu warten, ist natürlich auch keine Option. Also werden an diesem Abend Kanzlerin und Bundespräsident ebenso wie die anderen Gäste bei Sturmböen wenig von der offenen Plaza des Baus haben – aber es gibt ja noch die Konzertsäle.

Der kleinere der beiden Säle beherbergte am Mittwochmittag die letzte Pressekonferenz vor der Eröffnung am Abend. Es herrschte Wohlfühlatmosphäre – nicht nur wegen des mit Holz in organischen Formen verkleideten höhlenartigen Raums. „Wir haben schon so viel über die Elbphilharmonie gesprochen, dass es schwierig wird, etwas Neues zu sagen“, brachte es Architekt Pierre de Meuron vor 320 Medienvertretern auf den Punkt. Die Argumente sind ausgetauscht über den Bau – die Verantwortlichen haben ihren Frieden mit den enormen Kostensteigerungen auf 789 Millionen Euro Steuergeld geschlossen. Unwidersprochen darf der Architekt nun sogar behaupten: „Es ist letztlich ein Nachweis der Leistungsfähigkeit, dass so ein Projekt in einer demokratisch regierten Stadt verwirklich wird.“ Es sei deutlich komplexer gewesen als alle anderen Projekte seines Architekturbüros – das immerhin etwa das Pekinger Vogelnest-Olympiastadion geplant hat.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wiederholt auf die Frage eines Pariser Journalisten seinen eigenen Reim auf die Kosten: „Ein solches Konzerthaus ist nicht für weniger als 500 bis 600 Millionen Euro zu haben“ – sprich: Fehlplanungen haben gut 200 Millionen Euro in den Sand gesetzt. „Andere Summen zu nennen war ein Fehler derjenigen, die damals Verantwortung getragen haben“, sagt Scholz. Das trifft vor allem seinen Vorvorgänger Ole von Beust von der CDU, dessen Wirken derzeit in Hamburg ziemlich kritisch diskutiert wird. Nur: Für 500 bis 600 Millionen Euro Baukosten hätte die Bürgerschaft sicherlich niemals zugestimmt. Scholz verweist also auf Kita-Plätze und Wohnungsbauprogramm. Er selbst habe zudem durchgesetzt, dass jedes Hamburger Schulkind einmal im Leben in die Elbphilharmonie komme. Alles gut also im hohen Norden.

Die zweite Leerstelle der Diskussion ist: Was will das neue Haus eigentlich inhaltlich? Generalintendant Christoph Lieben-Seutter kündigt für den Eröffnungsabend eine „Reise durch vier Jahrhunderte“ an. Ein ähnliches Misch-Programm soll die Elbphilharmonie auch im Normalbetrieb bieten. Schließlich soll das Haus eine halbe Million Karten im Jahr verkaufen, argumentiert Lieben-Seutter. „Da fokussierst du dich nicht, sondern hast viele verschiedene Angebote“, sagt er.

Zur Eröffnungssaison gibt es eine Konzertreihe zu New York, eine zu Syrien, eine zu den transatlantischen Beziehungen. Überhaupt fährt ja das Residenzensemble des Kleinen Saals, das Ensemble Resonanz, sein eignes Programm, im Großen Saal zieht das NDR-Orchester seinen Stiefel durch. Dazu kommen unabhängige Veranstalter. Ein klares Profil, um sich von anderen Philharmonien etwa in Skandinavien, Berlin oder dem geplanten neuen Münchener Haus abzusetzen schwebe ihm nicht vor, sagt der Intendant auf Nachfrage.

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  • http://www.tagesspiegel.de/politik/bnd-umzug-kostet-mehr-als-eine-milliarde/609828.html

    Ein herausragendes Meisterwerk der Architektur und der Kultur,
    das Zeichen setzt !

    Es wäre vielleicht hier im schönen Bayern auch an der Zeit, an die Vermächtnisse unseres Märchenkönigs anzuknüpfen, statt eine verkommene Blechkisten-Industrie zu fördern !

    Greets from the South !

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