Europa-Trend auf Buchmarkt
Nach oben offene Empörungsskala

Autoren diskutieren so intensiv wie nie zuvor über die Europapolitik. Wie funktioniert die EU? Was sind ihre Schwächen und Stärken? Wie sieht ihre Zukunft aus? Zahlreiche neue Bücher suchen nach Antworten.

HB BRÜSSEL. Wer in diesen Tagen eine Buchhandlung in Wien oder Salzburg betritt, erkennt schnell, welche Themen den österreichischen Buchmarkt bewegen: Mozart und Europa. Das musikalische Weltgenie begeht seinen 250. Geburtstag. Dieses Ereignis feiern die Verlage mit einer Fülle von Neuerscheinungen. Der Europa-Trend aber hat aktuellere Ursachen. Österreich leitet zurzeit als Ratspräsidentschaft die Geschicke der Europäischen Union. Und auch das doppelte Nein der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung hat das Thema Europa wieder auf die Agenda der Verlage gerückt.

Seit jenen Wochen im Frühjahr 2005, als die beiden Referenden den Ratifizierungsprozess jäh stoppten, geschehen wundersame Dinge. Es wird - so intensiv wie noch nie zuvor - über die Europapolitik diskutiert. Das Schockerlebnis der Volksabstimmungen hat offenbar das Bedürfnis nach Aufklärung geweckt. Wie funktioniert sie eigentlich, die EU? Was sind ihre Schwächen und Stärken? Wie sieht ihre Zukunft aus? Solche Fragen sind jetzt in aller Munde, nicht nur in Österreich. Und zahlreiche neue Bücher versuchen, Antworten zu geben.

Wer schon immer Vorurteile gegen die EU hatte, diese aber wissenschaftlich bestätigt sehen will, greift am besten zu Hans Herbert von Arnims neuem Werk "Das Europa-Komplott - Wie EU-Funktionäre unsere Demokratie verscherbeln". Der bekannte "Diätenkritiker" und Professor aus Speyer hat sich die Europäische Union vorgenommen, und zwar gründlich. Das war auch zu erwarten. Wo Politiker sich üppig aus der Staatskasse bedienen, da gibt von Arnim keine Ruhe.

Seine EU-Recherchen allerdings haben den Hochschullehrer derart in Rage versetzt, dass es auf den mehr als 400 Seiten nur so wimmelt von Kraftausdrücken. Von Arnims Buch ist eine nach oben offene Empörungsskala, auf der Brüssel als mafioses Netzwerk geldgieriger Europaabgeordneter, skrupelloser Lobbyisten, feiger EU-Korrespondenten und überbezahlter Beamter geschildert wird. Aus dem Speyerer Blickwinkel erscheint Europa als "Endlager für gescheiterte Politgrößen", als "Pseudodemokratie", in der "Kungelrunden" wie der EU-Ministerrat "über die Köpfe des Volkes hinweg" vorwiegend damit beschäftigt sind, sich dank listiger Diäten- und Pensionsregelungen zu bereichern.

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