„European Film Market“
Heiratsvermittlung für Filmproduzenten

Der Berlinale-Tross ist abgezogen, in der Hauptstadt bleibt die harte Arbeit des Business zurück, ganz ohne Glamour. Der „European Film Market“ hilft bei der Suche nach internationalen Partnern und Film-Financiers.
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BerlinDas ganze Jahr über ist der Marlene-Dietrich-Platz in Berlin trist und grau. Doch im Februar, wenn diese Beschreibung perfekt zum Wetter passt, wird der Platz seiner Namenspatronin gerecht. Internationale Stars kommen zur Berlinale nach Deutschland und verleihen der hiesigen Filmbranche einen Flair, der an den Glanz der Goldenen Zeit erinnert, als „die Dietrich“ ein Weltstar war – und aus Deutschland den Glamour nach Hollywood exportierte.

George Clooney oder Tilda Swinton strahlten auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast und zogen zahlreiche Journalisten und Filmfans an, die ein gutes Foto von ihnen wollten. Zehn Tage lang feierte sich das Kino selbst. Jetzt ist der Tross wieder weg, der rote Teppich wieder eingerollt. Jetzt ist der Marlene-Dietrich-Platz wieder grau.

Beki Probst kennt dieses Grau. Sie weiß, dass das Filmbusiness nicht nur ausschließlich aus künstlerischer Leidenschaft, Blitzlichtern und atemberaubenden Abendgarderoben besteht. 400 Meter vom Berlinale-Palast entfernt zeichnet sich im Martin-Gropius-Bau ein völlig anderes Szenerie.

Zwar hat Probst ein wenig was von der Aura einer Filmdiva, doch sie hat kein Interesse am Roten Teppich. Als Leiterin des „European Film Market“, der als Teil des Filmfestivals einer der bedeutendsten Treffpunkte des internationalen Film-Business ist, hat sie wichtigeres zu tun. Fast 500 Firmen aus 55 Ländern sind in diesem Jahr auf der Messe vertreten, über 7000 Fachbesucher haben sich angemeldet – darunter Ein- und Verkäufer, Produzenten, Filmverleiher und -finanziers. „Es ist wie ein ganz normaler Markt“, sagt Probst. „Es gibt Leute, die Ware anbieten und Leute, die Ware kaufen.“

Wie gut der Markt funktioniere hänge von der Qualität der Ware ab. Und davon, wie viel die Käufer bereit sind zu zahlen: „In der heutigen Zeit fließt das Geld nicht mehr einfach so. Die Leute investieren vorsichtiger als früher“, sagt Probst. Trotzdem ist der „European Film Market“ in den 26 Jahren, die Probst dabei ist, zu einem der weltweit wichtigsten Filmmärkte gewachsen.

„Als Filmmarkt muss man beobachten, was die Trends und Tendenzen im Filmgeschäft sind“, erklärt Beki Probst. Durch den Umbruch in der Branche sei in den letzten Jahren etwa das Thema Video-on-Demand immer wichtiger geworden. Mit online bereit gestellten Filminhalten – etwa auf Watchever – versucht die Filmindustrie, dem illegalen Download und Streaming von Filmen etwas entgegen zu setzen.

Jahrelang gab es eine wunderbare Stabilität auf dem Filmmarkt“, sagt Philipp Hoffmann, Geschäftsführer der Rushlake Media GmbH. Erst kam ein Film ins Kino, dann erschien er auf DVD, lief zunächst im Pay- und später im Free-TV. „Die Rechtehändler konnten den Zugang des Publikums zum Film kontrollieren und jeder bekam sein Stück vom Kuchen ab“, fasst Hoffmann zusammen. Dann kam das Internet, das ähnlich wie auf dem Musik- oder Zeitungsmarkt, alles geändert hat. Klassische Erlösmodelle wurden plötzlich in Frage gestellt.

„Das kann einem gefallen oder auch nicht, es ist jedoch die Realität. Deshalb muss man sich fragen, wie man damit umgeht, dass Filme beinahe gleichzeitig mit dem Kinostart im Internet verfügbar sind“ sagt Hoffmann. Es gehe um die Frage, wie man den digitalen Markt beliefern kann ohne gleichzeitig das eigene Produkt zu entwerten. „Das ist der Musikindustrie passiert. Das einzelne Stück Musik hat inzwischen nur noch einen verschwindend geringen kommerziellen Wert“, sagt Hoffmann.

Auf diesem Gedanken hat Hoffmann die Geschäftsidee für sein Unternehmen aufgebaut. Er handelt mit den Onlinerechten von Filmen und bietet gleichzeitig eine Marketing-Beratung an. „Es geht darum, für jedes Produkt individuelle Entscheidungen treffen zu können“, sagt er. Nur so könne der Wert jedes Films gewürdigt werden.

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