Filmfestival
So läuft der Kampf um die Goldene Palme

Im Wettbewerb um die Goldene Palme stehen 20 Filme aus 13 Ländern. Deutsche Beiträge sind nicht dabei, jedoch laufen mehrere im Rahmenprogramm. Nach seiner gescheiterten Präsidentschaftskandidatur ist auch Al Gore als Hauptdarsteller eines Dokumentarfilms gelistet.

HB CANNES. Ein Jahr vor seinem 60. Geburtstag setzt das Filmfestival von Cannes (17. bis 28. Mai) die eigene Verjüngungskur konsequent fort. Es gibt zwar keine Altersgrenze für die Regisseure im Wettbewerb um die Goldene Palme – aber dass keiner der eingeladenen Filmemacher älter ist als 60, fällt auf im Vergleich zu anderen Jahrgängen von Cannes. „Die Auswahl von 2006 kann man in die Kategorie „Jahre der Erneuerung“ einordnen“, bekennt auch der Programmchef des Festivals, Thierry Frémeaux. Deutsche Produktionen sind in diesem Jahr nicht im Wettbewerb dabei.

Mit Pauken und Trompeten beginnt die Filmschau an diesem Mittwoch: Der schon seit dem Winter in vielen europäischen Kinos beworbene Thriller „The DaVinci Code“ („Das Sakrileg“) soll das Treiben am Strandboulevard La Croisette gleich zum Auftakt wie ein Turbo beschleunigen. Die Uraufführung des Films von Ron Howard nach dem Bestseller von Dan Brown bringt eine Idealmischung von amerikanischen und französischen Stars nach Cannes mit Oscar-Preisträger Tom Hanks und Audrey Tautou („Amélie“) an der Spitze.

Glamour lassen auch etliche der Wettbewerbsfilme erwarten: Sofia Coppola hat sich nach ihrem Hit „Lost in Translation“ in die französische Geschichte vertieft und zeigt „Marie-Antoinette“ mit Kirsten Dunst in der Titelrolle. Ob Brad Pitt zur Präsentation von „Babel“ in der Regie des Mexikaners Alejandro González Inárritu einfliegt, hängt vom Zustand seiner hochschwangeren Liebsten Angelina Jolie ab. Doch Cate Blanchett steht für diesen Film fest auf der Gästeliste. Erwartet neben vielen anderen auch Penelope Cruz, Marianne Faithfull, Bruce Willis, Halle Berry, Ethan Hawke, Juliette Binoche und Bob Hoskins.

Im Wettbewerb stehen 20 Filme aus 13 Ländern. Mehr als die Hälfte der Produktionen kommen aus Europa, die USA und Südamerika sind mit jeweils drei Filmen dabei. Programmchef Frémeaux macht in dieser wichtigsten Reihe drei verschiedene Gruppen aus: Da sind einmal „alte Bekannte“ wie Pedro Almodovar, Nanni Moretti, Aki Kaurismäki oder Ken Loach mit neuen Werken. Es gibt die „aufsteigende Generation“, zu denen auch die jungen US-Amerikaner Sofia Coppola und Richard Linklater gehören. Und dann heißt Frémeaux auch Filmemacher wie Guillermo del Toro aus Mexiko willkommen, deren originelle Werke „ein ganz spezielles Echo“ hervorrufen werden.

„Das Sakrileg“ läuft außer Konkurrenz, ebenso wie drei andere große US-Produktionen: Das Effektspektakel „X-Men: The Last Stand“, der Animationsfilm „Over The Hedge“ („Ab durch die Hecke“) und „United 93“, der erschütternde Spielfilm über den Absturz des am 11. September 2001 von Terroristen entführten Flugzeugs. Den Schrecken jenes Tages, der die Welt veränderte, bringt auch Oliver Stone nach Cannes. Er zeigt außerhalb der „Offiziellen Auswahl“ eine halbe Stunde seines Dramas „World Trade Center“. Mit deutlichen politischen Absichten kommt Al Gore, Umweltaktivist und gescheiterter amerikanischer Präsidentschaftskandidat. Er ist als „Hauptdarsteller“ des Dokumentarfilms „An Inconvinient Truth“ (Eine unbequeme Wahrheit) gelistet und will das Bewusstsein für die Klimakatastrophe schärfen.

Insgesamt umfasst die „Offizielle Auswahl“ mit dem Wettbewerb, den Filmen „außer Konkurrenz“ und der Reihe „Un certain regard“ in diesem Jahr 55 Filme aus 30 Ländern. Doch mit den unabhängigen Programmen der „Quinzaine des réalisateurs“ und der „Woche der Kritik“, mit Kurzfilmen und Retrospektiven liegt das Angebot für Cineasten weit jenseits dessen, was ein Augenpaar in 12 Tagen betrachten kann. Hinzu kommen noch über 1400 Vorführungen auf dem Internationalen Filmmarkt, dem mit über 10 000 Teilnehmern größten und wichtigsten Treffpunkt der globalen Kinobranche.

Es sei „die Alchemie von Autorenfilm, Glamour, Geschäft und Medien“, meint Frémeaux, die Cannes immer wieder zum bedeutendsten Filmereignis des Jahres mache. Die deutsche Branche mischt in dieser Saison vor allem auf Produktionsebene fröhlich mit: Mehrere Wettbewerbsfilme entstanden mit Hilfe deutscher Produzenten. Aber auch Wim Wenders hat sich wieder eine Reise an die Cote d'Azur gesichert. Sein 1982 während des Festivals entstandener Kurzfilm „Chambre 666“ wird in einer Sondervorführung gezeigt, zusammen mit dem auf Englisch gedrehten Langfilm „The House is Burning“ von Holger Ernst. Drei weitere deutsche Spielfilme laufen in den Nebenreihen, darunter „Sommer 04 an der Schlei“ von Stefan Krohmer mit Martina Gedeck in der Hauptrolle.

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