Filmfestspiele stehen im Schatten eines miserablen Kinojahres
Berlin eröffnet Jagd auf „Goldene Bären“

Wenn zur Eröffnung der 54. Internationalen Filmfestspiele Berlin Stars wie Jack Nicholson, Diane Keaton oder Juliette Binoche über den roten Teppich am Potsdamer Platz schreiten, werden nicht nur Tausende von Zaungäste jubeln. Die Gala zur Berlinale und der Eröffnungsfilme „Unterwegs nach Cold Mountain“ von Anthony Minghella mit Hollywood-Star Nicole Kidman wird in Großkinos von Hamburg bis ins fränkische Dettelbach live übertragen.

DÜSSELDORF. Glanz und Glamour können die deutschen Kinos gut brauchen. Allein im vergangenen Jahr ging die Zahl der Besucher um 9,1 % zurück, berichtete gestern die Filmförderanstalt in Berlin. Der heiße Sommer, Filmpiraterie und die schlechte Konjunktur haben den Umsatz der Filmtheaterbranche um 110 Mill. Euro auf 850 Mill. Euro gedrückt. Die schlechte Nachfrage hat sich auch auf den Eintrittspreis ausgewirkt. 5,70 Euro kostete durchschnittlich eine Kinokarte. „Die Branche muss sich wandeln und sich den veränderten Freizeit- und Sehgewohnheiten anpassen“, sagte Kulturministerin Christina Weiss zum Besucherrückgang

.

Die Berlinale kommt der Krisen gebeutelten Branche gerade recht. Festivalchef Dieter Kosslick hat es seit seinem Amtsantritt 2002 geschafft, aus dem früher angestaubten Wettbewerb um „Silberne“ und „Goldene Bären“ eine weltweit beachtete Glamour-Show zu machen. „Berlin ist eine gelungene Mischung aus rotem Teppich, Marketingbühne und Talentshow“, sagt Jan Fantl, Chef der Produktionsfirma Quality International, der die Berlinale zum 28. Mal besucht.

Der deutsche Film spielt allerdings nur eine Nebenrolle auf dem Festival. Im Wettbewerb um die „Bären“, bei dem 23 Filme antreten, laufen nur zwei deutsche Streifen: Romuald Karmakars „Die Nacht singt ihre Lieder“ und Fatih Akins „Gegen die Wand“. Im vergangenen Jahr waren es drei Produktionen, darunter Wolfgangs Beckers „Good bye, Lenin!“.

Wie wichtig die Marketingbühne in Berlin ist, zeigte Beckers Ostalgie-Komödie. Der Film lockte mehr als 6,5 Millionen Menschen allein in die deutschen Kinos. Der Überraschungserfolg wurde zudem in 65 Länder verkauft. In Großbritannien erzielte der Film das erfolgreichste Ergebnis eines deutschen Filmes aller Zeiten. Dennoch wird der Streifen, der es sogar zu einer „Golden-Globe"-Nominierung in den USA brachte, in der Branche als Eintagsfliege eingeschätzt.

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