Firmenarchiv des Baukonzern Bilfinger Berger
Ein Stück deutscher Baugeschichte

In der Krise wird gespart. Nicht selten werden Firmenarchive die ersten Opfer der Rotstiftpolitik. Nicht jedoch beim Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger. Trotz der Flaute in der Bauwirtschaft sei das Archiv des Konzerns nie in Frage gestellt worden, sagt dessen Leiter Martin Krauß - zum Glück, möchte man meinen, wenn man "125 Jahre Bilfinger Berger" in der Hand hält.

HB DÜSSELDORF.Martin Krauß und Bernhard Stier zeichnen die Wurzeln des Konzerns und ein Stück deutscher Baugeschichte auf. Viel Raum verwenden die Autoren auf das Thema Arbeitsmarkt und Zwangsarbeit in der Nazi-Diktatur.

Spannend geraten ist dabei insbesondere der Vergleich zwischen den drei Vorläuferunternehmen; den Eisenbahn- und Straßenbauspezialisten Grün & Bilfinger und Julius Berger sowie dem Stadtentwickler Berlinische Bodengesellschaft. Vor allem wird deutlich, wie sehr die Unternehmenskultur durch die Mentalität der Gründerpersönlichkeiten geprägt war.

August Grün und die Brüder Paul und Bernhard Karl Bilfinger waren schwäbisch-sparsame Ingenieure. Sie achteten auf Solidität und schreckten vor technischen Herausforderungen nicht zurück. Bei kaufmännischen Risiken waren sie dagegen vorsichtig. Ihr Lebensstil war von Zurückhaltung geprägt.

Julius Berger dagegen war ein Selfmademan, der sich mit Fleiß und Unternehmungsgeist aus einfachen Verhältnissen zum angesehenen Geschäftsmann emporarbeitete. Im "Dritten Reich" teilte Berger das Schicksal der meisten jüdischen Unternehmer. 1933 musste er als Vorstandschef abtreten. Noch als Achtzigjähriger wurde er 1942 mit seiner Frau ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo beide nicht lange überlebten.

Auch die Berlinische Bodengesellschaft, nach dem Krieg Bauboag, galt in der Nazi-Diktatur als "nichtarisch", da ihm die jüdische Unternehmerfamilie Haberland vorstand. Vorstandschef Kurt Haberland wurde genötigt, seine Anteile zu verkaufen. Das Vermögen wurde arisiert. Er selbst kam 1942 im KZ Mauthausen ums Leben.

Die Mentalität der Gründer wirkte aber bis weit in die Zeit nach dem Krieg fort, schreibt Krauß. Unter der Ägide von Jürgen Ponto - die Dresdner Bank war an allen drei Unternehmen beteiligt - entstand der Plan, ein konkurrenzfähiges Bauunternehmen zu schaffen.

Der erste Schritt war die Fusion von Julius Berger mit der Bauboag im Jahr 1969. An diesem Unternehmen erwarb Grün & Bilfinger dann die Mehrheit. 1975 erfolgte schließlich die Fusion zur Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft. Die Geschichte dieses Konzerns und das Buch von Martin Krauß und Bernhard Stier sind ein spannendes Stück deutscher Industriehistorie.

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