Florian Karsch
Blick zurück auf ein langes Händlerleben

Florian Karsch zählt zu den führenden Kunsthändlern des Expressionismus. Eine Ausstellung der Galerie Scheibler würdigt das Lebenswerk des heute 90-Jährigen. Einzelheiten seiner langen Karriere rekapituliert die Biographie von Yvonne Groß.
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BerlinNur als „Vollstrecker“, nicht als „Entdecker“ will er sich sehen. Diese Rolle hat Florian Karsch seinem Vorgänger Karl Nierendorf vorbehalten, der 1920 seine gleichnamige Galerie in Köln eröffnete. Als Hausgalerist von Künstlern wie Otto Dix, George Grosz, Paul Klee und Otto Mueller schrieb er seit 1923 in Berlin, ab 1937 in New York Kunstgeschichte.

Florian, der Sohn des Berliner Bildhauers Joachim Karsch, war 1955 vom Biologen zum Kunsthändler mutiert und machte ab 1963 die noch heute in der Hardenbergstraße am Zoo residierende Galerie Nierendorf zu einer internationalen Adresse für die Kunst des Expressionismus und der 1920er-Jahre. Für eine Ausstellung in der Berliner Galerie Aurel Scheibler hat er noch einmal seine private Schatztruhe geöffnet. Anlass ist ein frisch publiziertes Buch von Yvonne Groß, das Karschs über 50-jährige Karriere als Kunsthändler Revue passieren lässt.

Parade der erfolgreichsten Künstler

Die Ausstellung bei Scheibler führt alle die Künstler zusammen, die Karschs jahrzehntelange Dauerseller waren: Otto Mueller, Ernst Ludwig Kirchner, Josef Scharl, Emil Nolde, Hannah Höch, George Grosz und Otto Dix, von dem das vielfach ausgestellte Aquarell „Wildwest“ (1922) mit 750 000 Euro dotiert ist. Eine Gouache zu dem krassen Ölbild „Ungleiches Liebespaar“ von 1925 wird für 200.000 Euro angeboten. Kirchners Gouache „Mädchenakt mit erhobenen Armen“ von 1909, die 2001 mit 480.000 Euro beziffert war, ist jetzt mit 350.000 Euro ausgepreist. Ähnlich hoch angesetzt ist Otto Muellers Aquarell „Stehendes Mädchen am steinigen Ufer“.

Noch immer moderat erscheinen die Preise für frühe Gemälde von Josef Scharl. Sie liegen hier bei 150.000 Euro. Eines der besten Werke der Ausstellung ist das 1922 datierte Figurenbild „Sommerfische“ von Christian Rohlfs, das mit 200.000 Euro auch eher dezent bewertet ist, während ein Probedruck von Conrad Felixmüllers Farblithographie „Kohlenbergarbeiter“ mit 120.000 Euro doch recht heftig zu Buche schlägt.

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