Halbjahresbilanz Italien
Christie’s holt mächtig auf

Sotheby´s und Christie’s teilen sich die besten Einlieferungen in Italien. Auf dem nationalen Auktionsmarkt verlieren Farsettiarte und Finarte. Sotheby’s verzeichnet ein Minus, Christie’s ein stattliches Plus.
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RomDie weltweit auftretenden Auktionsmultis Sotheby's und Christie's beherrschen den italienischen Auktionsmarkt. Der Abstand zwischen den beiden angelsächsischen Häusern verringert sich im ersten Halbjahr 2011 wieder, während die Distanz zu den italienischen Versteigerern, mit Farsettiarte an der Spitze, größer wird. Sotheby´s bleibt mit Einnahmen in Höhe von 15,5 Millionen Euro Marktführer, verzeichnet jedoch einen Rückgang von knapp 20 Prozent zum Vergleichzeitraum 2010. Die Verluste kommen der Konkurrenz  zugute. Christie's verbessert sein Ergebnis vom Vorjahr um 35 Prozent. Das Haus nimmt 14,7 Millionen Euro ein. In weitem Abstand folgt Farsettiarte www.farsettiarte.it  mit 5,5 Millionen Euro. Wie es um das Mailänder Haus Finarte bestellt ist, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Es hält an seiner Strategie fest, die Einnahmen nicht bekanntzugeben.

Das Aufrücken von Christie's zu Sotheby's ist in erster Linie auf die Performance der modernen und zeitgenössischen Kunst zurückzuführen. Alte Meister und die Kunst des 19. Jahrhunderts schneiden nach wie vor mittelmäßig ab, während Schmuck mit knapp über 5 Millionen Euro  bei Christie's (Mailand, 26. Mai) ein gutes Ergebnis vorlegt.

Moderne beflügelt Christie's

Christie's hat moderne und zeitgenössische Kunst für 7,9 Millionen Euro umgesetzt und auch den Spitzenreiter der Saison verkauft. Ein rosafarbenes Raumkonzept mit Perforationen von Lucio Fontana kletterte auf  731.600 Euro (inklusive Aufgeld, Mailand, 24./25. Mai). Begehrt waren auch zwei, in die Betrachtung eingezäunter Ruinen versunkene Figuren von Giorgio de Chirico. Das marktfrische Gemälde „Ruines Étranges“ aus der Pariser Phase des Meisters der Metaphysischen Malerei  wurde nach einem lebhaften Bietgefecht für 656.000 Euro zugeschlagen.

Halbierter Umsatz

Marktfrische fehlte den Werken, die  diesmal Sotheby's Katalog moderner und zeitgenössischer Kunst bestückten. Von den Rekordergebnis von über 14 Millionen der Maiauktion 2010 – auf der Enrico Castellan mit 950.750 Euro für „Weiße Fläche“ damals seinen Weltauktionsrekordpreis aufstellte – lagen  die Einnahmen des Hauses im diesem Mai mit 7,7 Millionen Euro nur etwas über der Hälfte. Dank der Auflösung der Sammlung Claudia Gian Ferrari  im April für 1,9 Millionen Euro erhöht sich dieser Spartenumsatz auf 9,7 Mio. Euro. Unter den ersten Zehn befinden sich auch hier Fontana und de Chirico,  jedoch mit bescheideneren Zuschlägen als bei Christie's. Ein  zweischnittiges Raumkonzept von Fontana auf blauem Grund brachte 384.750 Euro, während de Chiricos „Archäologen“ und seine Darstellung der „Piazza  d'Italia mit Ariadne“ jeweils 360.750 und 312.750 Euro einspielten. Die Spitze übernahm Alighiero Boetti. 492.750 Euro waren einem Sammler ein mit Buchstaben durchwebter Wandteppich in Grautönen wert.

Der Überraschungssieger

Erwähnenswert ist noch das überraschend gute Ergebnis, das Fausto Zonaro (1854-1929) bei Sotheby's erzielte. Nach einem lebhaften Gefecht sicherte sich ein Telefonbieter die Ansicht „L'imbarcazione“  für 348.770 Euro, das entspricht dem  Weltauktionsrekordpreis des Künstlers. Das Gemälde war  mit einer Taxe von 40.000 bis 60.000 Euro an den Start gegangen  (Mailand, 14./15. Juni). Bei Farsettiarte reüssierte ganz oben Giorgio Morandi. Ein kleinformatiges Gefäßstillleben kam hier für 478.000 Euro unter den Hammer. 

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