Heidelberger Kunstrechtstage
Warum scheitern Künstler so oft vor Gericht?

Kunstrecht gehört spätestens seit dem Fall Beltracchi zu den auch in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Disziplinen rund um den Kunstbetrieb. Dabei wirft der interdisziplinäre Charakter der Materie komplexe Fragestellungen auf.

HeidelbergBedeutende Kunstmarktnationen wie die USA, Großbritannien oder die Schweiz verfügen bereits länger über Institutionen, die sich wissenschaftlich mit den Schnittstellen von Kunst und Recht auseinandersetzen. In Deutschland formierte sich eine solche Institution erst 2006, als in Heidelberg das Institut für Kunst und Recht IFKUR e.V. gegründet wurde. Das IFKUR-Institut steht auch hinter den jährlich veranstalteten „Heidelberger Kunstrechtstagen“, der in den Kalendern einer wachsenden Zahl auch von Kunsthistorikern mittlerweile fest verankert ist.

Die neunte Ausgabe der Kunstrechtstage tagt am 30. und 31. Oktober 2015 mit jeweils vier Vorträgen. Sie sind am ersten Tag an aktueller, in der Öffentlichkeit diskutierter Rechtsprechung und an prominenten Fällen aufgehängt. Am zweiten Tag loten die Beiträge schwerpunktmäßig rechtsphilosophische Aspekte aus. Dass es dabei um die Betrachtung aus einer erkenntnistheoretischen, an den kulturellen Bedingungen der Rechtsprechung orientierten Perspektive geht, spiegelt auch der Titel der Veranstaltung, „Kultur im Recht - Recht als Kultur“.

Genügt der Rechtsschein eines Atelierbildes?

Den Auftakt am 30. Oktober macht der in Heidelberg lehrende Rechtsprofessor Erik Jayme mit seinem Referat über „Atelierverkäufe und Werkstattbilder – Rechtsfragen des Kunsthandels“. Aufgehängt ist es an einer Betrachtung der Entscheidung des OLG Düsseldorf (5. August 2014) über den Status eines vermeintlichen Immendorff-Gemäldes, das aus dem Atelier Jörg Immendorffs verkauft wurde. Das Thema ist hoch aktuell, nicht zuletzt durch die vom Handelsblatt beschriebenen (7. August, 18. September 2015) umstrittenen Entstehungs- und Verbreitungsumstände jener Bronzeaffen, die in diesem Jahr im Zuge der Zwangsversteigerungen aus dem Lager des inhaftierten Kunstberaters Helge Achenbach beim Auktionshaus Van Ham unter den Hammer kamen.

Gespannt sein darf man, welche Schlüsse Jayme aus der kunsthistorischen Betrachtung der Erscheinungsformen von Atelier- und Werkstattbildern und ihres Status’ (Original, Kopie, Replik, Wiederholung) für die rechtliche Einordnung des OLG-Urteils ziehen kann. Hier geht es um die entscheidende Frage, ob der Rechtsschein eines Atelierbildes genügt, um die Forderung der Witwe Immendorffs nach einer Zerstörung des Bildes durch das Oberlandesgericht abzuweisen.

Kunstrechtliche Verfahren brauchen Sachverständige

Der Baseler Rechtsanwalt Peter Mosimann analysiert die Gründe, warum Künstler so oft vor Gericht scheitern. Aus den Erfahrungen mit der komplexen Querschnittsmaterie des Kunstprozessrechts leitet der Schweizer die Forderung ab, „dass die Gerichte in kunstrechtlichen Verfahren des Zivil, Straf- und öffentlichen Rechts von Amtes wegen Sachverständige beiziehen“ sollten.

Errungenschaften der Unidroit-Konvention

Die beiden letzten Referenten des Tages greifen die aktuelle Debatte um den Kulturgüterschutz auf, darunter Robert Peters, Bundesbeauftragter für Kultur und Medien, Berlin/Bonn. Die österreichische Universitätsprofessorin Gerte Reichelt, Vorstandsmitglied des IFKUR und Spitzenforscherin auf dem Feld von Europarecht und Kulturgüterschutz, blickt 20 Jahre nach der Verabschiedung der „Unidroit-Konvention über gestohlene oder rechtswidrig ausgeführte Kulturgüter“ auf die Errungenschaften und Zukunftsaussichten des Regelwerks. Dabei geht es zentral um rechtliche Grundsätze im Hinblick auf den Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Kulturgutschutzrechtes, beispielsweise etwa um eine nationenübergreifende einheitliche Lösung für den privatrechtlichen gutgläubigen Erwerb. Ein Feld, auf dem die Rechtswissenschaftlerin führend geforscht hat.

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Forschungen am Käte Hamburger Kolleg

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