Historischer Roman von Pinol
Ein Held wie Pep Guardiola

Es muss nicht immer Fantasy à la George R.R. Martin sein: Albert Sanchez Pinol ist mit „Der Untergang Barcelonas“ ein historischer Roman allererster Güte gelungen, der hochaktuell ist – und an Pep Guardiola erinnert.
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DüsseldorfDeutsche Fußballfans schauen sich sehr gern den großen „Clasico“ an, also wenn Real Madrid gegen den FC Barcelona spielt. Viele haben emotional betrachtet dabei keinen klaren Favoriten – anders als praktisch alle Spanier. Aber für die Anhänger der Madrilenen und des FC Barcelona gibt es nichts Wichtigeres als dieses Duell. Wer das in diesen Tagen erscheinende Buch von Albert Sanchez Pinol liest, wird wohl unweigerlich den Katalanen die Daumen drücken. 

Denn in Pinols monumentalem Werk „Der Untergang Barcelonas“ - Spaniens meistverkauftes Buch 2013 - geht es nicht nur um die große Schlacht von 1714, die den spanischen Erbfolgekrieg beendete und zehntausenden Menschen das Leben kostete. Es geht um das Ende des unabhängigen Kataloniens, wie es dazu kam, wie (leicht) das alles hätte verhindert werden können und wie sich Spanien die Jahrzehnte voller Terror hätte sparen können. Bis heute ist „Catalunya“ nicht frei, obwohl es das gern wäre.

Pinol zeigt in seinem Buch eine Erzählkunst, wie sie schöner kaum sein könnte. Sein Held Zuvi ist in etwa das, was Pep Guardiola heute ist: Ein „echter Katalane“; ein Emporkömmling, der hart an sich arbeitend einen Beruf erlernt hat, um den ihn fast alle beneiden: Guardiola ist Fußballtrainer, Zuvi Festungsbaumeister – also ein Architekt von Festungsanlagen. Abgesehen von Königen und den Kommandanten der Armeen gab es rund um 1700 keinen angeseheneren Beruf. 

Und Zuvi ging – beglückt durch so manchen Zufall in seiner frühen Jugend – bei dem größten Meister persönlich in die Lehre: Graf Vauban und seine Helfer nahmen den 14-Jährigen in die Mangel, schärften aber auch seine Sinne und füllten ihn mit Wissen und Weisheit an. Umso gefährlicher war seine Liaison mit Vaubans Tochter, die überdies einem Adligen versprochen war. 

Mit der historisch belegten, aber umfangreich ausgeschmückten Figur des Martí Zuvíría ist Pinol ein Geniestreich gelungen: Egal welchen Alters findet man in ihm einen Katalanen wieder, wie er dem Klischee nicht besser entsprechen könnte: stur, treu, hingebungsvoll und fleißig.

Aber eben auch offen bis hin zur Raserei. Zuví kann sich bei weitem nicht immer kontrollieren, will das auch gar nicht – und so gerät er immer wieder in Schwierigkeiten.

Nicht zuletzt fliegt er bei Vauban raus und muss sich über Umwege der Armee anschließen. Zuví gerät in die Fänge des Spanischen Erbfolgekrieges – mal auf der einen Seite, mal auf der anderen. Er lernt Freunde kennen, aber auch tödliche Gegner. Und ein weiteres Mal die Liebe. Amelie, eine junge Schönheit.

Von Beruf Dirne mit Stil und Geschick, die sich ihm nach einigem Hin und Her anschließt und eine eheähnliche Verbindung eingeht. Gemeinsam mit dem Waisenjungen Nan und einem Zwerg, den Zuvi auf den Schlachtfeldern aufliest, geraten sie nach Barcelona.

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Ein Held wie Pep Guardiola

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Der Überlebende von Barcelona

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