Hörbücher
Der große Lauschangriff

Das Hörbuch ist einer der Stars auf der Leipziger Buchmesse. Keine Sparte der deutschen Buchbranche ist auch nur annähernd so erfolgreich. Doch laut Experten steht der große Hörbuch-Hype erst noch bevor.

Den Hoffnungsträger der Buchverlage kann man nicht durchblättern. Das ist ein wenig ungewohnt für die Verlage, die bislang ein Produkt herstellten, das seit 500 Jahren auf dem Markt ist und sich seit dem nur unwesentlich verändert hat. Aber man richtet sich damit ein, dass Bücher zunehmend als Hörversion auf CD erscheinen und zunehmend als MP3-Datei aus dem Internet geladen werden. Denn während die Deutschen immer schwerer zum Bücherkauf zu überreden sind, beschert das Hörbuch der Branche kräftige Umsatzzuwächse. Nach Schätzungen von Verbänden gibt es bereits rund 13 000 Buchtitel zum Hören. "Mit dem Hörbuch gewinnen die Menschen in einer immer schnelleren Alltagswelt Momente in ihrem Tag zurück. Das passt in unsere Zeit", sagt Arik Meyer, Chef des Internet-Hörbuchladens Audible.

2005 erwirtschaftete die deutsche Buchbranche mit Hörversionen ihrer Bücher rund 150 Mill. Euro, 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das ist zwar immer noch wenig in einem Markt von mehr als fünf Milliarden Euro. Doch für das laufende Jahr erwarten Experten ein noch größeres Wachstum. Und die Zukunft sieht viel versprechend aus: In den USA, wo der Markt schon weiter ist, hat die Hör-Literatur einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. Und Experten glauben, dass der richtige Boom der in Bits und Bytes zerlegten Schmöker erst noch ansteht.

Denn die Zeit, in denen 1000-seitige Bestseller wie "Bis ich Dich finde" von John Irving nur auf 20 CDs mitsamt zentimeterdickem Begleitheft zu haben waren, sind vorbei. Immer mehr Menschen saugen die Hörbücher aus dem Netz und speichern sie auf dem iPod, Organizer oder Handy. Nach dem Erfolg des iTunes-Music-Store von Apple mit dem Internet-Verkauf von Musik öffnen nun überall im Internet elektronischer Buchhandlungen. Und nicht nur die Läden sind elektronisch, zunehmend auch die Bücher, die mit einem Klick gekauft und auf dem Rechner gespeichert werden können. Zu den großen elektronischen Buchläden zählen neben Audible Soforthoeren.de und Ohrbuch.net. Und die Verkäufe von Hörbüchern über solche Download-Portale laufen gut. Audible hat im vergangenen Jahr 200 000 Titel verkauft. In den ersten drei Jahren dieses Jahres waren es bereits 100 000 - Tendenz: Steigend. Zahlen, wie viele Hörbücher insgesamt online verkauft wurden, gibt es noch nicht. Erst ab Herbst seien die verfügbar, teilt der Börsenverein mit.

Interview mit Audible-Chef Arik Meyer

Der Vorteil am Hörbuch-Download ist, dass man sie wie Musiktitel aus dem Netz laden und zum Beispiel im Stau auf der Autobahn abspielen kann, ohne die 20 CDs des Irving-Bestsellers mit sich herumschleppen zu müssen. "Wenn sich dieser Vertriebskanal durchgesetzt hat, werden wir noch einmal einen kräftigen Wachstumsschub erleben", sagt Gudrun Bolduan, Geschäftsführerin des Verlegerausschusses des Börsenvereins. "Fast alle Anbieter arbeiten derzeit an Download-Lösungen".

Der Nachteil beim Herunterladen ist, dass die Technik noch hakt. Manche Abspielgeräte unterstützen beispielsweise keine Lesezeichenfunktion. Und es ist schon mühsam, in einem 1400 Minuten Irving-Hörbuch bis zu der Stelle zu spulen, an der der Akku aufgegeben hatte. Auch das Überspielen vom Computer auf ein Endgerät ist nach Ansicht von Buchhändler Meyer immer noch ein Schritt zu viel. "Ich glaube, dass der richtige Durchbruch kommt, wenn sich die Kunden die Hörbücher oder Hör-Versionen ihrer Zeitung direkt auf ihr Handy laden können", sagt er. Schon 40 Prozent der Handybesitzer haben ein Gerät, mit dem das möglich wäre. Ein Hindernis ist nur der Preis der Datendienste. "Ich bin mir sicher, dass es spätestens in zwölf Monaten vernünftige Preismodelle geben wird. Es wird hier eine ganz ähnliche Entwicklung wie in den USA geben", sagt Internet-Buchhändler Meyer.

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