Immer auf Achse
Draufgänger im Unruhestand

Begegnung mit dem Weltstar: Seit Dienstag zeigt das Filmmuseum Berlin eine Hommage auf Hardy Krüger.

Die stahlblauen Augen, sein Markenzeichen, wirken blass, das graue Haar ist verstruppelt. Gestern Abend eine Lesung vor 470 Menschen in Halle, heute ein Interviewmarathon im Berliner Hotel Adlon, morgen die feierliche Eröffnung einer Ausstellung zu seinen Ehren im Filmmuseum Berlin. Die Kulturstaatsministerin, der Regierende Bürgermeister und der französische Botschafter sind dabei.

Dann wieder „on the road“ mit weiteren Lesungen in Sachsen: Auch ein Draufgänger wie Hardy Krüger bekommt mitunter zu spüren, dass er inzwischen 75 ist. Von Ruhestand will er indes überhaupt nichts wissen. „Ich bin kein Beamter, der von neun bis 17 Uhr arbeitet“, lacht er mit charakteristischer Reibeisenstimme. „In meinem Leben ist eben alles ein wenig anders.“

Es darf nicht langweilig werden. An diesem Lebensmotto hält der Schauspieler, TV-Weltenbummler und Schriftsteller fest. Zusammen mit seiner Frau Anita, mit der er seit mehr als 25 Jahren verheiratet ist, hat er wieder einmal sein Domizil in Kalifornien verlassen und ist in deutschen Landen unterwegs auf Lesetour. Im Gepäck: „Szenen eines Clowns“, sein zwölftes Buch.

Darin schildert Krüger urkomische Episoden aus seinem Leben, die sich alle vor ernstem Hintergrund abspielten, etwa dem der deutschen und europäischen Teilung. So die Geschichte, wie er auf einer Rückreise aus Moskau einmal vom Ostberliner Flughafen Schönefeld nicht den vorgeschriebenen Bus zum einzigen für Westberliner offenen Übergang Oberbaumbrücke, sondern ein den Vorschriften völlig widersprechendes Taxi zu einem völlig anderen Übergang genommen hat. Die Folge: Er musste in Ostberlin von einem Übergang zum nächsten weiterziehen, ohne dass man ihm irgendwo den Schritt in den Westen gestattete – zuerst sollte er gefälligst zum Flughafen zurückkehren und dort in den Bus steigen.

Erst am Bahnhof Friedrichstraße öffnete ihm seine Beteuerung alle Sperren, dass er einen eiligen Termin in einem Westberliner Tonstudio habe, wo er einen sowjetischen Kinofilm namens „Das rote Zelt“ synchronisieren sollte.

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