Impressionisten und Moderne
Feine Bilder zu moderaten Schätzpreisen

Die Moderne ist weit in der Käufergunst hinter der zeitgenössischen Kunst zurückgefallen. Das zeigen die Locktaxen der Abendauktionen in London. Auch deutsche Kunst wird wohlfeil ausgeboten. Die internationale Begeisterung für die klassische Avantgarde ist abgeflaut.
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LondonEin kleines Monet-Fest plant Sotheby’s in seiner Impressionisten- und Moderne-Auktion am 3. Februar 2015, die außerdem mit einem selten gesehenen Werk von Toulouse Lautrec, zwei Pastellen von Edgar Degas Pastellen und einem Kandinsky der Russland Periode aufwartet. Highlights waren schon auf Tour in Taipeh und Hongkong. Dort finden sich die Käufer, die den Impressionistenmarkt nun wieder beflügeln. „Der Markt hat Stärke wie noch nie. Die Käufer kommen aus viermal so viel Ländern wie noch vor zehn Jahren“, weiß Sotheby’s Expertin Helena Newman.

Stolz berichtet sie auch, seit 2004 sei bei Sotheby’s kein Monet mehr durchgefallen. Nun sollen fünf Monets in der Abendauktion über 70 Millionen Pfund bringen, darunter am meisten diskutiert ein schimmerndes Pappelbild von 1887, das vom Museum of Modern Art verkauft wird und 9 bis 12 Millionen Pfund bringen soll. Das Gemälde gehört nicht zu der späteren großen Pappelserie Monets, es sei für die Zwecke des New Yorker Modernemuseum zu früh, so die Begründung des Verkaufs.

Venedigansicht im Geschmackstest

Aber ist es ein kluger Schachzug? Der Erlös für das feine Bild würde mit Not für einen überteuerten Zeitgenossen wie Koons, Wools oder Richter reichen, deren kunsthistorische Bedeutung aber sehr viel ungewisser ist. Und wie schnell der Geschmack Kunstpreise verändert, zeigt Monet. Sein Toplos, eine Venedigvedute gehört zu einer Serie von sechs identischen, aber unterschiedlich beleuchteten „Grand Canal“-Ansichten, die Monet 1908 an einem Fenster im Palazzo Barbaro malte, die wichtigste Ausbeute seines Venedig Aufenthalts. Als das Bild 1989 auf dem Höhepunkt der Japan-Hausse nach Japan verkauft wurde, kostete es 11,5 Millionen Dollar, 2005 brachte es bei der Rückkehr via Sotheby’s New York mit 12,5 Millionen Dollar auch nicht viel mehr. Nun ist es auf 20 bis 30 Millionen Pfund geschätzt.

Aber solche Steigerungen erwartet man nur für den „modernen“ Monet des 20. Jahrhunderts. Seine noch dem 19. Jahrhundert verhafteten Bildern haben sich ganz anders entwickelt, wie „L’Embarcadère“ von 1871, eine in Holland gemalte Sonntagsgesellschaft am Fluß. Sie war 1989 genau so teuer wie das Grand Canal-Bild, 11,3 Millionen Dollar. Doch hier liegt die Taxe nur bei 7,5 Millionen Pfund – einem Drittel.

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