Indiens Berlin-Literatur
Auf der Himmelsleiter des Konsums

In Indien gibt es eine Bombay-Literatur, die der Berlin-Literatur ähnelt und die Themen wie Entwurzelung und Entfremdung aufgreift. Viele indische Autoren haben die 16-Millionen-Stadt zum Dreh- und Angelpunkt ihrer literarischen Produktion gemacht, darunter auch Vikram Chandra, Suketu Mehta und Shobhaa De. Sie gehören zur indisch-englischen Literaturszene und haben längst im Ausland einen Namen.

BERLIN. Suketu Mehta ist mit seinem Buch "Maximum City Bombay" ein herausragender Reportageband gelungen. Er ging mit 14 Jahren nach New York, 1998 kam er in seine Heimatstadt zurück. Sein Blick auf Bombay ist der eines Heimkehrers, der die wahnwitzigen Veränderungen in einer Megacity dokumentiert - einer Stadt, die mit seinem Geburtsort nichts mehr zu tun hat. Der Schriftsteller hat Killer interviewt, die den 1993 offen ausgebrochenen Konflikt zwischen Moslems und Hindus aus ihrer Perspektive erzählen. Er hat mit Polizisten gesprochen, deren Methoden, Ruhe und Ordnung herzustellen, mehr als fragwürdig sind. Man glaubt förmlich, in Mehtas Texten den Müll und die Autoabgase der Stadt zu riechen. Doch der 43-jährige Autor schildert in seinen fulminanten Reportagen auch das fröhliche Bombay, das von Film, Musik und Tanz geprägt ist.

Er bezieht eine klare politische Position gegen die "Shiv-Sena", eine Partei, die Indien zu Hindustan machen will und Bombay in allen Sprachen Mumbai nennen lässt. Aber auch die linken Lösungsideen hält er für gescheitert: "Im postmarxistischen Zeitalter können wir nicht mehr der Vorstellung anhängen, dass Umverteilung irgendetwas lösen würde, dass die Armen reicher werden würden, wenn man die Reichen ärmer macht."

Aufstieg und Abstieg liegen in Bombay nah beieinander. Und auf der Himmelsleiter des Konsums befindet sich schon die Familie, wenn sie sich einen Fernseher oder Toaster leisten kann. Und im nächsten Jahr vielleicht einen Kühlschrank. In "Maximum City" geht es um Geld. Es ist Lebenselixier: für den armen Rikschafahrer genauso wie für den kaltblütigen Gangster Sunil, der früher für ein paar Rupien Leute umbrachte und nun als Geschäftsmann einen illegalen Kabelsender betreibt.

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