Integration in der Schule
Grundschulniveau wäre schon ein Erfolg

Warum die meisten nie das Abitur erreichen werden

Unterstützung bekommt Maier nur selten, das Personal ist knapp. Wenn überhaupt helfen Referendare oder Praktikanten aus. Das bedeutet für die Deutschlehrerin, dass sie alleine 17 Schülern auf völlig unterschiedlichem Lernniveau gerecht werden muss. Manch einer geht gar zum ersten Mal regelmäßig zur Schule und hat Mühe, überhaupt einen Stift zu halten. „Die Eltern haben beim Amt angegeben, dass ihr Kind alphabetisiert ist. Zeugnisse haben sie ja keine mehr“, berichtet Maier. Weiter überprüft wurde das vor dem Schuleinstieg offensichtlich nicht. Maier würde sich nach einer ersten Zuteilung der Flüchtlinge wünschen, dass die Schulen die Schüler entsprechend ihrem Lernniveau flexibler „tauschen“ könnten.

So sind die Aussichten der Schüler sehr unterschiedlich. Natürlich gibt es die Positiv-Beispiele. Etwa einen irakischen Schüler, der mit seinem Onkel nach Deutschland floh. Binnen weniger Wochen lernte er Deutsch und geht mittlerweile nur noch für drei Stunden in der Woche in die Vorbereitungsklasse. In der Pause spielt er auch nur noch mit Kindern aus den normalen Klassen. Doch nur einige Schüler in der Vorbereitungsklasse haben die Chance aufs Abitur, für viele andere wäre es ein Erfolg, wenn sie überhaupt irgendwann einen Schulabschluss schaffen würden. „Ich befürchte, dass hier nicht die kommenden Facharbeiter und Akademiker sitzen“, sagt Maier vorsichtig.

Wie weit der Weg der Schüler ist, zeigt ein Blick auf das Sprachniveau. B1 heißt das Sprachniveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, das die Vorbereitungsschüler erreichen sollen. Das bedeutet: Sie können die „Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit“ geht. Und sie können sich „einfach und zusammenhängend über vertraute Themen“ unterhalten. Das entspricht dem Sprachniveau eines Grundschülers. Die Schüler der Vorbereitungsklasse sollen damit nach einem Jahr intensiven Deutschlernens dem Fachunterricht an einem Gymnasium folgen können. Maier schätzt allerdings, dass aktuell ihre besten Schüler A2 erreichen – ein Niveau unter B1: „Die wären dann in der Regelklasse verloren.“

Maier glaubt trotzdem, dass an ihrer Schule auch schon mal der richtige Zeitpunkt verpasst wurde, um Schüler in normale Klassen zu integrieren. Die Flüchtlinge scheinen sich zwar in einer eigenen Klasse schneller wohl zu fühlen, doch einige Schüler wollen aus dieser Klasse dann gar nicht mehr raus. Bei einigen hat die Lehrerin festgestellt, mangelt es an der Motivation, um Deutsch zu lernen. Im Einzugsgebiet der Schule ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund sehr hoch: „Da kommen sie teilweise mit Türkisch weiter als mit Deutsch.“ Und ein paar Brocken Türkisch haben viele Flüchtlinge schon auf der Flucht gelernt.

Wie schnell die Schüler tatsächlich Deutsch lernen, kann Maier deshalb schlecht einschätzen. Vor den Herbstferien fragte sie ihre Schüler, was sie denn in der freien Zeit machen wollen. Sie hatte auf die Antwort „Deutsch lernen“ gehofft. Doch die meisten sagten: „Mit Computer und Handy spielen.“

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