Internationale Filmfestspiele
Schurken wie wir

Der rote Teppich ist ausgerollt – die Jagd auf den Goldenen Bären kann beginnen. Mit der Weltpremiere von Tom Tykwers Finanzthriller „The International“ werden heute Abend die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet. In den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz kommen zum Festivalauftakt neben Tykwer auch seine Schauspieler Clive Owen („Children Of Men“) und Armin Mueller-Stahl („Buddenbrooks“).

HB BERLIN. In „The International“ erzählt Tykwer („Lola rennt“, „Das Parfum“) von den kriminellen Machenschaften einer Bank, die Krieg und Terror finanziert. Der Interpol-Detektiv Louis Salinger (Clive Owen) ist dieser „Bad Bank“ schon seit Jahren auf der Spur. Doch alle Versuche, die schmutzigen Machenschaften der Bank in Sachen Waffenhandel und Geschäften mit verbrecherischen Anführern der Dritten Welt scheitern, weil die mühsam ausfindig gemachten Zeugen reihenweise eines gewaltsamen Todes sterben.

Die Krise in der Finanzwelt habe aus dem bereits vor Monaten ausgewählten Eröffnungsfilm plötzlich eine Art Dokumentarfilm über den Zustand der Welt gemacht, sagt Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Regisseur Tom Tykwer zeigte sich erschreckt darüber, dass die Realität seinen Film eingeholt hat. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Tykwer: „Unser Ziel war es, auf ein globales Problem aufmerksam zu machen. Und dann greifen wir mitten hinein in die apokalyptische Talfahrt des Finanzsystems. Jetzt fühlt es sich an, als hätten wir den aktuellen Irrsinn nur noch zusammengefasst.“ Oder, wie Tykwer weiter erklärt: „Es ist so, als hätten wir einen fiktiven Film über Watergate gemacht - und dann wäre Watergate wirklich passiert.“

Das Frappierende an Tykwers Film ist offenbar die Erkenntnis, dass sich in der Welt der Hochfinanz Helden und Schurken kaum noch voneinander unterscheiden. Tykwer in der „Süddeutschen“: „Diese Bankiers sind keine klassischen Weltvernichter wie in einem James-Bond-Film, sondern moderne, entspannte Geschäftsleute, ausgesprochen pragmatisch. Das sind Menschen aus unserer Generation. Sie sehen aus wie wir, hören dieselbe Musik, sie gehen in dieselben Filme. Der Rest ist eine Frage der Haltung und eine Lebensentscheidung: Auf welcher Seite will ich stehen?“

Ein spannendes Thema, ein spannendes Filmprojekt mit internationaler Starbesetzung: Neben Owen und Müller-Stahl spielt auch Naomi Watts als Staatsanwältin eine wichtige Rolle. Watts übrigens kommt nicht zur Berlinale. Die Australierin sei erst vor sechs Wochen Mutter geworden, stille ihr Kind und könne deshalb die Reise nach Berlin nicht machen, sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Dennoch: Besser als mit diesem Film hätte sich Kosslick, der so gern als Bäcker arbeiten würde, den Auftakt der Berlinale nicht backen können.

In den verschiedenen Berlinale-Reihen werden bis zum 15. Februar rund 400 Filme aus aller Welt gezeigt. Erst dann werden die Bären verteilt. „Dazu kommen knapp 700 Regiearbeiten, die auf dem Internationalen Filmmarkt gehandelt werden“, erklärteKosslick. Der Festivalchef hat schon gestern sein Hotelzimmer mit Blick auf den roten Teppich vor dem Berlinale- Palast bezogen.

Meistens wird der 60-Jährige aber selbst vor dem Premierenkino stehen und jeden einzelnen Regisseur und Schauspieler persönlich begrüßen - darunter Stars wie Oscar-Anwärterin Kate Winslet, Michelle Pfeiffer, Renée Zellweger, Keanu Reeves, Demi Moore, Michel Piccoli, Willem Dafoe, Woody Harrelson, Steve Martin und Gael Garcia Bernal. Zur traditionellen „Cinema for Peace“-Gala kommt Hollywoodstar Leonardo DiCaprio. Zur Verleihung des schwul-lesbischen Teddy Award wird Prinzessin Stéphanie von Monaco erwartet.

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