Jazztrompeter Markus Stockhausen drückt jene Stimmungen in seiner Musik aus, die sein Publikum spürt
Globalisierung der Klänge

Kaum hat sich die schwere Kirchentür hinter mir geschlossen, trete ich ein in eine andere Welt. Seit Jahren ist die Kölner Südstadtkirche St. Maternus ein fester Auftrittsort des Trompeters Markus Stockhausen. Heute ist er solo.

Die ungewöhnliche Ausleuchtung des Raums, eine Reihe einfarbiger Bilder in Rot, Blau, Gelb und Orange sowie Blumengestecke, ein Arrangement des Mitorganisators Rolf Zavelberg, schaffen eine festliche Stimmung.

Genau das richtige Ambiente für Stockhausen, einen der wichtigsten Jazz-Trompeter Deutschlands, der in wenigen Tagen den WDR-Jazzpreis erhalten wird.

Er sagt: „Wenn man eine Rose anschaut, und die meisten Betrachter sagen, das ist schön, dann deswegen, weil darin eine bestimmte Gesetzmäßigkeit enthalten ist. Harmonie ist das, was mir selber gut tut. Was als harmonisch empfunden wird, stellt sich allerdings für jeden Menschen anders dar.“

Als der Trompeter die Bühne, den Altarraum, betritt, das Instrument spielbereit in den Händen, ist das Publikum atmosphärisch bereits eingestimmt, ohne zu wissen, was es erwartet.

Stockhausen geht wie gedankenverloren. Setzt das Instrument an. Spielt einen, nur einen langen Ton, der das große Kirchenschiff weitet und wie ein Sonar auslotet, um zu sehen, welche Schätze es wohl heute hergibt. „Während eines Konzerts bilden der Musiker und das Publikum mehr und mehr ein einheitliches Feld. Der Musiker drückt Dinge in seiner Musik aus, die das Publikum auch spürt und wünscht. Das Publikum ist in gewisser Weise kreativ mitbeteiligt“, sagt er.

Gehen und spielen, die Bewegung im Raum, die Entfaltung in der Zeit: Die intuitive Musik, ein Begriff, den sein Vater Karlheinz Stockhausen prägte, feiert den Moment: „Die Musik, die sich aus der Intuition, aus dem Unmittelbaren speist, ist immer neu, immer anders und jeden Moment gültig.“

So ist dieser erste Ton, den er wieder und wieder spielt, Tast- und Suchbewegung, ein Kundschafter auf unbekanntem, weitem Feld, dessen Hauptmerkmal die Flüchtigkeit ist.

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