John Cage
Revolutionär der Stille

Er klemmte Schrauben in die Saiten teurer Konzertflügel, degradierte den Dirigenten zum Stoppuhrhalter oder ließ das Orchester ganz schweigen. John Cage war einer der wichtigsten Wegbereiter der neuen Musik.
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Essen/BerlinSeine Partituren sehen aus wie Grafik-Kunstwerke, die Töne seiner Kompositionen würfelte er gerne aus. Der US-Komponist John Cage (1912-1992) gilt als einer der revolutionären Erneuerer der Musik im 20. Jahrhundert - so revolutionär, dass er in Deutschland jahrzehntelang von Kollegen als Scharlatan geächtet und ausgeladen wurde. Heute ist der Mann, der den Klang kostbarer Konzertflügel mit Schrauben und Radiergummis präparierte und den Zufall zum Kompositionsprinzip erhob, in der Szene unangefochten. Zum 100. Geburtstag (5. September) gibt es weltweit Sonderveranstaltungen.

Die Berliner Festspiele stellen Mitte März beim „MaerzMusik“-Festival für aktuelle Musik das Werk des Amerikaners und seine Folgen in den Mittelpunkt. Musik von Cage gibt es beim renommierte Klavierfestival Ruhr in Essen, und die Bochumer Ruhrtriennale startet Mitte August mit Cages Opern-Collage „Europeras 1 & 2“.

Zehn Sänger, je fünf Frauen und Männer, aus zehn europäischen Ländern singen dabei - teils gleichzeitig - verschiedene Arien-Bruchstücke aus dem traditionellen Repertoire. Wie lange die sich überlagernden Stücke dauern dürfen, bestimmt ein Zufallsgenerator.

John Cage war der Sohn eines Erfinders, seit der vierten Klasse bekam er Klavierunterricht. Erst wollte er Priester werden, dann studierte er Musik und Architektur. Mitte der 30er Jahre wurde John Cage Schüler von Arnold Schönberg - einem der Begründer der Zwölftontechnik. Cage lehrte nach dem Studium an verschiedenen US-Hochschulen und schrieb Musik für die Tanztruppe des Avantgarde-Choreographen Merce Cunningham, seines späteren Lebenspartners.

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