Kämpfer für Menschen- und Minderheitenrechte
Friedenspreis des Buchhandels geht an türkischen Autor

Der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Frankfurt mit.

HB FRANKFURT AM MAIN. Pamuk sei einem Begriff von Kultur verpflichtet, „der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründet“, hieß es zur Begründung. Er habe ein Werk geschaffen, „in dem Europa und die muslimische Türkei zusammenfinden“. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung, eine der renommiertesten in Deutschland, wird Pamuk am 23. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen.

„Mit Orhan Pamuk wird ein Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht“, begründete der Stiftungsrat weiter. Zugleich trete Pamuk immer wieder für Menschen- und Minderheitenrechte ein und beziehe Stellung zu den politischen Problemen seines Landes.

In seiner Heimat sieht sich Pamuk Anfeindungen nationalistisch gesinnter Türken ausgesetzt, weil er Anfang dieses Jahres an die Ermordung von rund einer Million Armeniern im Osmanischen Reich 1915/16 erinnerte. Unter anderem forderte ein Politiker, Pamuks Bücher sollten verbrannt werden.

Der in Istanbul lebende Pamuk, der Architektur und Journalismus studierte, kommt aus einer großbürgerlichen Familie. Er wurde mit Romanen wie „Die weiße Festung“, „Rot ist mein Name“ und zuletzt „Schnee“ bekannt. Seine vielfach ausgezeichneten Bücher, die in 34 Sprachen übersetzt wurden, werden in der Türkei vor allem von der jüngeren Generation gelesen. Von der „New York Times“ wurde „Schnee“, ein Buch über die Konfrontation von westlicher und islamischer Kultur, als das beste ausländische Buch 2004 gefeiert.

Der Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, wertete die Auszeichnung für Pamuk als „hervorragende Entscheidung“. „Das kann Wellen schlagen“, sagte Sen. Es sei wichtig, dass es kritische Schriftsteller in der Türkei gebe. Auch für das Land sei der Preis eine Anerkennung.

„Voller Freude, aber auch mit etwas gemischten Gefühlen“ reagierte Pamuks Lektorin beim Münchner Hanser Verlag, Anna Leube, auf die Nachricht vom Friedenspreis. Nach den Anfeindungen gegen Pamuk in der Türkei „bange ich ein bisschen, weil Pamuk durch den Preis noch mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten wird.“

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