Karl-May-Hörbuch
Drei Bleichgesichter und ein falscher Falschgeldfahnder

Karl May hat es vom Hochstapler zum berühmten Schriftsteller gebracht. Roger Willemsen, Götz Alsmann und Christian Brückner ehren den beliebten Autoren mit einem Hörbuch.

Karl May ist bis heute einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller. Mindestens 80 Millionen Mal haben sich seine Bücher hierzulande verkauft, die inzwischen in 30 Sprachen übersetzt wurden. Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi sind Phänomene wie heute Harry Potter: es gab früher wohl kaum einen Jugendlichen, der nicht ihre Abenteuer verfolgt hätte.

Die CD "Ich bin nicht Karl May" ruft diese Erinnerungen wach und erzählt aus dem Leben des Schriftstellers, das so abenteuerlich war, wie seine Geschichten. Durch kleine Diebstähle und Unterschlagungen endete Mays Lehrerlaufbahn schon nach kurzer Zeit, fortan schlug er sich als Hochstapler und Betrüger durch das Erzgebirge. Er gab sich als Arzt, Geheimpolizist oder Plantagenbesitzer aus Martinique aus, verschaffte sich so teure Anzüge und beschlagnahmte angebliches Falschgeld. May litt am so genannten Münchhausensyndrom und konnte erst nach mehreren Gefängnisaufenthalten seine überbordende Fantasie in Abenteuerromane umsetzen.

Äußerst unterhaltsam erzählt "Zimmer Frei"-Moderator Götz Alsmann diese Geschichten aus Mays Leben, der sich nach seinen ersten schriftstellerischen Erfolgen die Old-Shatterhand-Legende als neue Identität zurechtstrickte. Autor und Romanhelden verschmelzen und sein Arbeitszimmer ist schon zu Lebzeiten ein Museum voller phantastischer Reisetrophäen. Der Schriftsteller wird zum Star. "In München standen die Gymnasiasten, um Autogramme zu erjagen, in solchen Massen vor dem Hotel, dass die Tram nicht hindurchkam und sie mit einem Schlauch auseinandergespritzt werden mussten", schreibt May an seinen Verleger. Auch bei solchen Erzählungen vermischen sich Realität und Fiktion.

Christian Brückner, die deutsche Synchronstimme von Robert de Niro, liest Briefe Karl Mays und Auszüge aus seinen Werken, die sich geschickt mit den biografischen Anekdoten abwechseln. Die Höhepunkte sind jedoch die Gedichte von Roger Willemsen. Der Kritiker hat Mays Werk in dem Buch "Ein Schuss, ein Schrei - Das Meiste von Karl May" lyrisch verarbeitet. Ironisch und liebevoll beschreibt Willemsen das Phänomen Winnetou, von diesem "edlen Wilden" und "roten Gentleman" spannt er den Bogen zum ganz weltlichen Schicksal der Indianer "Amerikanisch hieß dies Traum, sonst zerstörter Lebensraum", dichtet Willemsen. Doch die Bleichgesichter haben noch weit mehr auf dem Kerbholz: "Die sind Schuld am Tod King Kongs, an dem Fast Food, an der Bronx, an der Boy-Group-Singerei, am Klima und am Toast Hawai."

Willemsen, Alsmann und Brückner haben diesen großartigen Karl-May-Abend auf der letztjährigen lit.Cologne präsentiert. Gut, dass es den Mitschnitt der Lesung nun zum Nachhören gibt.

GÖTZ ALSMANN, CHRISTIAN BRÜCKNER, ROGER WILLEMSEN Ich bin nicht Karl May (Audio CD, 78 min) tacheles! 17, 90 Euro

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