Koller Zürich
Spitzwegs verträumter Soldat für eine Million

Mit vorsichtigen Schätzpreisen lockt das Züricher Auktionshaus Koller internationale Kunden. Die Septemberauktionen profitierten besonders von der Kauflust der Russen und Chinesen. Spitzenreiter sind Alte Meister und das fernöstliche Kunstgewerbe.
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DÜSSELDORF. Attraktive Taxen haben in den Septemberauktionen von Koller in Zürich für einige schöne Preise und ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis gesorgt. "Wir versuchen unsere Schätzungen realistisch und attraktiv zugleich zu gestalten", erklärte Cyril Koller im Nachgang zu der vom 13. bis 18. September über die Bühne gegangenen Session. Dem Markt würde damit der Entscheid über die Höhe des Preises für ein Objekt selbst überlassen. Insgesamt spielten 1420 Gemälde, Graphiken, Asiatica, Möbel, Schmuck und Teppiche 16 Mio. Schweizer Franken (SFR) ein, etwa so viel wie man erwartet hatte.

Soldat macht Feierabend und strickt

Von der Strategie der vorsichtigen Preise profitierten insbesondere die Alten und Neuen Meister, die am 17. September zum Aufruf kamen und 7 Mio. SFR einspielten. Erwartet wurden 5,5 Mio.. Top-Los wurde ein Klassiker des 19. Jahrhunderts: Carl Spitzwegs leise ironisches Gemälde eines tatenlos ins Land schauenden Soldaten mit Strickzeug, das auf moderate 300.000 SFR geschätzt worden war. Für knapp 1 Mio. SFR ging das in den letzten 70 Jahren von Schweizer Privatleuten bewahrte Ölbild "Lueg ins Land" an ein Münchner Sammlerpaar.

Alte Meister machen gute Figur

Insgesamt machten die Alten Meister die bessere Figur. Cyril Koller führt das auf seine "ausgesprochen internationale Privatkundschaft für holländische und flämische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts" zurück, die "für gute Gemälde sehr hohe Preise bezahlt". Ein Moskauer Privatsammler sicherte sich für 986.000 SFR ein altmeisterliches Landschaftspanorama von Pieter Brueghel d. J. und Josse de Momper d. J. Geschätzt war es auf 350.000 bis 500.000 SFR. Unterbieter waren zwei Sammler aus den USA und Deutschland.

Die attraktive Stillleben-Offerte kommt gut an

Ebenfalls in russischen Privatbesitz ging für den überdurchschnittlichen Preis von 491.000 SFR ein Blumenstillleben des Frankfurter Malers Jacob Marrel. Geschätzt war es auf 320.000 bis 380.000 SFR. In eine deutsche Sammlung ging für 78.000 SFR ein Blumenbild des ebenfalls in Frankfurt tätigen Abraham Mignon und ein Früchtestillleben mit Eichhörnchen. Das erst kürzlich entdeckte Bild gehört zu den seltenen Arbeiten der Antwerpener Künstlerin Clara Peeters, was sich auch im Preis niedergeschlagen hat. Die 480.000 SFR (Taxe 400.000) bewilligte ein deutscher Sammler.

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