Kritik wird lauter
Casting-Shows versinken in der Schlammschlacht

Langsam, aber sicher nutzen sich die Konzepte der Casting-Shows ab. Das belegen die deutlich sinkenden Einschaltquoten. Und davon ist nicht nur Dieter Bohlens „DSDS“ betroffen. Kritiker nutzen das für einen Rundumschlag.
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HamburgPoptitan Dieter Bohlen (58) bekommt für sein RTL-Flaggschiff „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) heftig Gegenwind aus der Musikbranche. Alec Völkel (40), Coach bei der ProSieben/Sat.1-Show „The Voice of Germany“, wettert gegen seinen vermeintlichen Konkurrenten: „Wenn Bohlens Quote runtergegangen ist, kann ich nur hoffen, dass die Zuschauer es leid sind, seine dummen Sprüche zu hören“, sagte der „Boss Hoss“-Sänger dem Magazin „in“.

Auch ein DSDS für Kinder lehnt er ab: „Erst verdirbt Bohlen die armen Teenager und jetzt sind die Kinder dran. Ich finde das zum Kotzen!“, meinte der Sänger. Selbst Juroren-Urgestein Andreas Bär Läsker (48), der 2007 noch neben Bohlen in der Jury saß, meint: „Bei DSDS geht es nur um den Verkauf der Werbeminuten in den Pausen.“

So argumentiert jemand, der sich in die Defensive gedrängt fühlt: „Ich glaub', das Problem, das die Leute mit uns haben, ist einfach, dass wir wirklich über zehn Jahre jetzt einfach erfolgreich sind“, sagte Dieter Bohlen, Chefjuror der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) am vergangenen Samstag, obgleich genau solche Aussagen niemand von ihm in dem Augenblick hören wollte.

Bohlen, seit zehn Jahren umstrittenes Aushängeschild der Casting-Show, hat zwar im langfristigen Vergleich Recht. Er ist zweifelsohne erfolgreich, doch seine Einschaltquoten nehmen allmählich deutlich ab. Am Samstag musste er sich bei gerade einmal 4,69 Millionen Zuschauern von Carmen Nebel im ZDF und von Erol Sanders ARD-Krimi „Mordkommission Istanbul“ abhängen lassen. Noch vor Jahresfrist hatte er in der gleichen Folge der Vorgängerstaffel 6,20 Millionen Zuschauer gehabt.

Casting-Shows haben eben doch ein Problem, auch DSDS. „Das Format der Casting-Shows, insbesondere in der Rambo-Variante eines Dieter Bohlen, ist auf Selbstzerstörung angelegt“, sagt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen und Autor des Buches „Die Casting-Gesellschaft“. „Vorproduzierte Gags und so offensichtlich kalkulierte Rempeleien demontieren die Aura des Authentischen, die man so angestrengt simuliert.“

Kommentare zu " Kritik wird lauter: Casting-Shows versinken in der Schlammschlacht"

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  • "Kommentare zu: Casting-Shows versinken in der Schlammschlacht"

    Deutschland,
    Land der Dichter und Denker,
    Musiker, Philosophen - und angehenden „Vollidioten“.

    Früher: Beethoven, Einstein und Goethe mit 9. Sinfonie, Relativitätstheorie und Faust …

    Und heute?

    Dschungelcamp, Superstar und WADDE HADDE DUDDE DA

    Hoch lebe der Fortschritt!!!

  • Das ganze Fernsehen ist doch zum Kotzen: Dumm, dreckig, verlogen, das Programm in dem noch am wenigsten gelogen wird, ist der Wetterbericht. Dort wird nur aus Dummheit das falsche erzählt.

  • nun werd ich mal heftig frech: man sollte sich mal Dieter Bolzen bei der Mitteleinwerbung ansehen.
    Wenn der nicht bald heftig aufpasst, gibts das "in fernsehen". - nicht unser prob

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