Kulturförderpreis 2012
Ein altes Zaubermittel neu entdeckt

Gesang belebt die Seele. Deshalb initiiert die Drogeriemarktkette dm das Programm „singende Kindergärten“. Warum ein Projekt für die Kleinsten den diesjährigen Kulturförderpreis für große Unternehmen bekommt.
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BerlinNeun Kinder zwischen zwei und drei Jahren liegen auf dem Boden. Sie räkeln sich, öffnen die langgestreckten Arme und schließen sie wieder. Sie sind nämlich Krokodile. Und Krokodile sperren ihr Maul weit auf. Dann setzen sich die Kinder wieder auf und singen das Lied vom „Krokodil vom Nil“. Dieses gefährliche Tier will eigentlich einen Kakadu verspeisen, wird aber ausgerechnet vom Löwen daran gehindert. Die beiden Erzieherinnen der Kinder begleiten die kleine Geschichte mit Handpuppen.

Etwa eine Viertelstunde dauert der Singkreis für die Kleinsten in der Kita FairPlay in Berlin-Mitte heute. Dabei sind die Kinder und ihre Erzieherinnen aber diesmal nicht allein. Etwa zehn weitere Erzieherinnen aus anderen Berliner Kindergärten und eine Musikpädagogin beobachten im Hintergrund aufmerksam, wie die beiden Kolleginnen das Singen mit den Kindern organisieren.

Hinterher setzen sich alle zusammen, um bei Kaffee und Brötchen Manöverkritik zu üben: Wie vermittelt man Singen noch besser an Kinder, die womöglich zu Hause nicht singen? Oder nie von ihren Eltern Lieder vorgesungen bekommen? Was könnte man anders machen? Und wie klang die eigene Singstimme - war es die richtige Stimmlage für die Kinder oder hat man zu tief angesetzt?

Die Kita FairPlay ist eine von 25 Berliner und insgesamt etwa 350 deutschen Kindergärten und Kindertagesstätten, die in diesem Jahr an dem Fortbildungsprogramm „Zukunftsmusiker“ teilnehmen. Dieses Programm ist eine Initiative der Drogeriemarktkette dm mit dem Ziel, bundesweit „singende Kindergärten“ zu schaffen. Seit Beginn des Programms 2009 haben bisher rund 1.000 Einrichtungen in 15 Städten an dem Programm teilgenommen - Grund genug für die Jury des Deutschen Kulturförderpreises 2012, dm den Preis für große Unternehmen zu verleihen.

Für die teilnehmenden Kitas, die über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt werden, ist das Programm kostenlos. Sie müssen jeweils zwei Erzieherinnen oder Erzieher abstellen, die an Workshops mit Musikpädagogen teilnehmen und dabei nicht nur didaktische Hinweise für das Singen mit den Kindern bekommen, sondern auch ihre eigene Singstimme ausbilden und neue Lieder und Spielideen kennenlernen können.

Jeweils fünf Kitas, die nicht zu weit voneinander entfernt liegen, wird eine eigene Musikpädagogin (oder ein Musikpädagoge) zugewiesen. Und die Erzieherinnen besuchen sich in ihren Kitas gegenseitig, um ihre Singstunden unter der professionellen Beobachtung der Kolleginnen und der Musikpädagogin gemeinsam auszuwerten.

„In den deutschen Kindergärten wird oft wenig gesungen“, erklärt Beatrice Werner, Ehefrau von dm-Gründer Götz Werner und Initiatorin des „Zukunftsmusiker“-Programms. „Viele Erzieherinnen haben mir das damit erklärt, dass sie es selbst in der Schule nicht gelernt hätten. Dabei ist Singen ein wahrer Seelenschutz - wichtig für das soziale Miteinander und auch für die eigene Persönlichkeitsbildung.“

Sie würde selbst seit eh und je singen und habe auch Gesangsunterricht genommen, sagt Beatrice Werner. „Es ist für mich eine Kraftquelle, und wenn einmal eines meiner Kinder traurig ist, kann ich es mit einem Lied ganz einfach trösten. Singen ist ein Zaubermittel.“

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Ein scheinbar großer Traditionsbruch

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