Kulturförderpreis
Anstifter für europäische Dialoge

Seit sieben Jahren vergibt die Alpha 2000 GmbH den „Kunstpreis Europas Zukunft“. Das Engagement des kleinen IT-Dienstleisters zeugt von Durchhaltevermögen und politischem Gestaltungswillen.
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Was Christodoulos Panayiotou in den Archiven der griechisch-zypriotischen Stadt Limassol entdeckte, erstaunte selbst ihn, den gebürtigen Zyprioten. Für den heimischen Karneval hatte er sich der heute in Berlin lebende Künstler, Jahrgang 1978,nie interessiert. Jetzt lag farbiges Bildmaterial von Paraden aus drei Jahrzehnten vor ihm, und das zeigte ihm, wonach seine Landsleute immer größere Sehnsucht entwickelten. Ein seltsames, fast absurdes Schauspiel bieten die Nachfahren der großen Hellenen, wenn sie zu Tausenden als Micky Mouse und Donald Duck verkleidet auf die Straße gehen. Zu sehen auf der Diaprojektion „Wonder-Land“ (2008).

Den Zyprioten in die Seele geblickt

In diesem Frühjahr nahm Christodoulos Panayiotou von dem Leipziger IT-Unternehmen Alpha 2000 den „Kunstpreis Europas Zukunft“ entgegen. 5000 Euro und eine Einzelausstellung in der renommierten Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig erhielt der Künstler für seine psychologisch einfühlsamen Foto- und Video-Arbeiten. Sie verraten nicht nur die am westlichen Lebensstil orientierte Haltung seiner am südwestlichen Rand Europas lebenden Landsleute. Sie rücken auch eine hierzulande so gut wie  unbekannte Kunstszene in den Blick.

Sieben Mal hat die Alpha 2000 GmbH den „Kunstpreis Europas Zukunft“ bereits vergeben und sich damit als Anstifter für den Austausch europäischer Kulturen bewährt. Das war aber nur einer der Gründe, warum das Unternehmen nun mit dem Deutschen Kulturförderpreis in der Kategorie der kleinen Unternehmen ausgezeichnet wurde. Was die Jury besonders beeindruckte, war die kontinuierliche Weiterentwicklung des Preises. „Am Anfang kostete die Party mehr als das Preisgeld“, erinnert sich Barbara Steiner, Direktorin der Galerie für zeitgenössische Kunst. „Und jetzt haben wir überhaupt keine Party mehr. Es gibt nicht nur das Preisgeld, sondern auch eine Ausstellung in unserem Haus, die Alpha finanziert.“

Rund 35 feste Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, das mit maßgeschneiderten IT-Lösungen und einem langfristigen Kunden-Betreuungsservice für seine Kunden sechs Millionen Euro Umsatz macht.

Ohne Erfahrung, aber mit einer Idee

Der Kunstpreis war ein Wagnis. Ohne Erfahrungen, aber mit einer Idee ging Alpha an das Engagement heran. Matthias Brühl, einer der beiden Geschäftsführer erinnert sich an „eine gewisse Gespaltenheit“ nach der Wende. „Innerhalb eines Jahres orientierten wir uns vollständig um in Richtung Westen, gleichzeitig wurde der Osten Europas ausgeblendet.“ Dann kam 2003 die EU-Osterweiterung und mit ihr der Wunsch, junge Künstler aus postkommunistischen Ländern zu unterstützen.

Stand in den ersten sechs Jahren das Zusammenwachsen von Ost und West im Vordergrund, so wird die Suche nach dem Preisträger inzwischen auf ganz Europa ausgedehnt. Die achtköpfige Jury schaut dabei besonders genau hin, wo sich Künstler mit besonderem Gespür gesellschaftlichen Prozessen widmen. Die Auszeichnung des griechisch-zypriotischen Künstlers Christodoulos Panayiotou ist dafür ein markantes Beispiel. So erhält der Preis am Ende ein politisches Gewicht.

 „Neben der gesellschaftlichen Relevanz des Projektes, dessen hoher Qualität und Weiterentwicklung war die Jury des Deutschen Kulturförderpreises auch von der starken Einbindung der Mitarbeiter begeistert“, unterstreicht Jury-Mitglied und Laudator Clemens Börsig, Vorstandsvorsitzenderdes Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. „Sie unterstützen beim Ausstellungsaufbau, bei der Kommunikation und Pressearbeit und gestalten darüber hinaus auch die Webseite des Preises“, ergänzt Börsig.

„Wir kaufen bewusst keine Bilder an“

Noch etwas zeichnet die Förderung von Alpha 2000 aus: die Entscheidung für eine Partnerschaft mit einer öffentlichen Institution, die auf diese Weise auch etwas von der privaten Förderung hat, und gegen den Aufbau einer Unternehmenssammlung. „Wir wollen den Preis nicht herunterbrechen auf einen Gegenwert“, bekennen die Geschäftsführer Dietmar Schulz und Matthias Brühl. "Wir kaufen bewusst keine Bilder an, wir beteiligen uns nicht an einem wirtschaftlichen Tausch im Sinne von Ware gegen Geld".

Langfristiges Engagement ist auf immer weniger berechenbaren, sich schnell verändernden  Märkten nicht mehr selbstverständlich. Ein Preis, der stets eine Langzeitperspektive einfordert, kann schnell auch wieder eingestellt werden. Das hat die Erfahrung gelehrt. Der „Kunstpreis Europas Zukunft“ ist nicht nur immer noch da. Erst vor wenigen Monaten hat Alpha 2000 die Förderung bis 2013 verlängert. So ein Durchhaltevermögen haben nur wenige Firmen.

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